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22. Mai 2012

Udo Lindenberg


An Udo kommt keiner ran
Udo Lindenberg | Biografie
Udo Lindenberg
An Udo kommt keiner ran

In Hamburg ist Udo Lindenberg bekannt als der "Mann mit dem Hut", oder "Der Panikrocker". Aber Lindenberg ist nicht nur Sänger und Songwriter, sondern vor allem Lebenskünstler. Geboren wird er 1946 als Sohn eines Klempnermeisters im westfälischen Gronau. Schon früh begeistert er sich für die Musik. Besonders hat es dem kleinen Udo das Schlagzeug angetan, und so gewinnt er schon mit 12 Jahren beim norddeutschen Jazz Jamboree einen Preis als bester Dixie-Drummer.

Auf Drängen seiner Eltern beginnt Udo Lindenberg zwar eine Kellnerlehre, bricht diese aber schnell ab. Er weiß genau, was er will und besucht einen Jazzkurs am Duisburger Konservatorium. Danach gründet er mit ein paar Freunden eine Band. Mit 17 Jahren geht er zum ersten Mal auf Tour. Die Musiker tingeln durch die Welt und verdienen sich ihr Geld mit kleineren Auftritten. Udo Lindenberg ist kein Kind von Traurigkeit, und er macht in dieser Zeit viele nachhaltige Erfahrungen mit Whiskey. Als er nachhause kommt, merkt man Lindenberg sein ausschweifendes Tourleben deutlich an. Seine Mutter und ein Nervenarzt pflegen ihn jedoch wieder gesund.

Danach hat er erst richtig Blut geleckt. Der Musiker steckt voller Tatendrang und komponiert was das Zeug hält. 1973 erntet er die Früchte für seine Arbeit: Das Album "Andrea Doria" erscheint. Darauf befinden sich auch die Ohrwürmer "Alles klar auf der Andrea Doria" und "Cello". Damit schafft Udo Lindenberg seinen kommerziellen Durchbruch. Die Platte verkauft sich über 100.000-mal, und er bekommt den ersten Millionenvertrag eines deutschsprachigen Rockmusikers.

Er gründet das Panikorchester und geht auf Deutschlandtour. Ein Jahr später bringt Lindenberg bereits sein nächstes Album heraus. "Ball Pompös" wird zur LP des Jahres gekürt und die Single Auskopplung "Rudi Ratlos" wird im Radio rauf- und runtergespielt. Auf dem Album gelingt es ihm in seinen Liedtexten mit Wortwitz zeitgeistige Gesellschaftserscheinungen pointiert auf den Punkt zu bringen. Ein Beispiel hierfür ist das Lied "Leider nur ein Vakuum", das bestimmte Verhaltensweisen der Jugendkultur satirisch beleuchtet.

Auch in anderen künstlerischen Feldern fühlt sich Udo Lindenberg mehr und mehr zuhause. Er malt nebenbei immer wieder humorvolle und gesellschaftskritische Bilder, und schreibt Geschichten. 1975 erscheint sein erstes Buch "Albert Alptraum bis Votan Wahnwitz". Das Jahr 1976 wird zu einem seiner produktivsten. Neben der LP "Galaxo Gang" erscheint unter dem Pseudonym "Das Waldemar Wunderbar Syndicat" Udo Lindenbergs erste "Best Of"-Platte. Zudem erscheint in diesem Jahr mit "No Panic" auch die erste fremdsprachige Veröffentlichung.

Diskographie

2007 Stark wie zwei
2006 Damenwahl
2005 30 Jahre Udo Lindenberg & das Panikorchester (DVD) 
2003 Der Panikpräsident
2002 Atlantic Affairs
2001 Ich schwöre! Das voll Programm
2000 Der Exzessor
1999 30 Jahre Lindenberg
1998 Zeitmaschine  
1997 Belcanto  
1990 Live in Leipzig  
1988 Gänsehaut  
1987 Feuerland  
1985 Honky Tonky Show  
1984 Götterhämmerung  
1983 Lindstärke 10  
1982 Keule  
1982 Intensivstationen  
1981 Udopia  
1980 Panische Zeiten  
1978 Lindenbergs Rock Revue
1977 Panische Nächte  
1976 Sister Kink Kong  
1976 No Panic on the Titanic
1974 Votan Wahnwitz  
1974 Ball Pompös  
1973 Alles klar auf der Andrea Doria
1972 Daumen im Wind  
1971 Lindenberg

Udo Lindenberg sieht sich vor allem als Künstler und er nutzt seinen Bekanntheitsgrad, um gesellschaftliche und politische Probleme nach draußen zu tragen. Besonders beschäftigt ihn die Teilung Deutschlands durch die Mauer. Er spricht Öffentlich über bislang Unausgesprochenes, und macht die DDR zum Thema seiner Songs. In dem Lied "Rock 'n' Roll Arena in Jena" fordert der Musiker zum ersten Mal eine "Panik-Tournee" durch die DDR. Er bricht mit seiner Offenheit viele Diskussionen zum Thema DDR vom Zaun. Immer wieder fordert er, in der DDR auftreten zu dürfen, aber ohne Erfolg.

Also reagiert Udo Lindenberg in seiner gewohnt ironischen Art: Am 2. Februar 1983 bringt er die Single "Sonderzug nach Pankow" auf den Markt. Der Text richtet sich direkt an den damaligen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Seine Rechnung geht voll auf - insgesamt sieben Wochen lang hält sich die Hymne in den deutschen Musik-Charts. Der Druck auf Honecker wächst und so kommt es am 25. Oktober 1983 zum ersten und einzigen Auftritt von Udo Lindenberg in der DDR. Dieser findet zusammen mit anderen Künstlern unter dem Titel "Rock für den Frieden" im Berliner Palast der Republik statt.

Zu einer von ihm für das folgende Jahr vorgesehenen Tournee durch die DDR kommt es zwar nicht, aber das Lied erreicht Kultstatus in der DDR und ist einer der bekanntesten Titel von Udo Lindenberg. Das reicht ihm aber nicht und er rollt das Feld von hinten auf. Er versucht den Kontakt zum Generalsekretär Erich Honecker zu halten, um mit ihm persönlich sprechen zu können. 1987 schenkt Lindenberg Erich Honecker bei dessen erstem BRD-Besuch in Wuppertal neben einer Lederjacke eine Gitarre mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren" und erhält im Gegenzug eine Martinstrompete.

Zur lange geplanten Tournee durch die DDR kommt es aber dennoch erst nach dem Fall der Mauer 1989. Das Album "Bunte Republik Deutschland", erscheint pünktlich zur Wiedervereinigung. Udo Lindenberg erholt sich derweil von einem Herzinfarkt, den er im November 1989 erleidet. In seinen Pausen und Erholungsphasen entspannt er sich jetzt verstärkt mit der Malerei. Seit 1996 werden seine Werke auch öffentlich präsentiert. Diverse Bildbände des "Strichers aus St. Pauli", wie er sich selbst bezeichnet, werden auf den Markt gebracht. Einige Arbeiten befinden sich sogar im Kanzleramt und im Haus der Geschichte. Udos "Likörelle"–Malereien, eingefärbt mit alkoholischen Getränken – sind patentiert und ebenso skurril wie der Ejakulator, bei dem mithilfe eines Schlagzeugs die Leinwand voll gespritzt wird.

1999 darf Udo Lindenberg zum 10-jährigen Jubiläum des Mauerfalls am Brandenburger Tor spielen. Wegen seines Engagements zur Verständigung zwischen Ost und West erhält er das Bundesverdienstkreuz. 2004 geht er anlässlich seines 30-jährigen Bühnenjubiläums zusammen mit Nina Hagen, Peter Maffay und Eric Burdon unter dem Motto "Aufmarsch der Giganten" auf Tournee. Zum 60sten Geburtstag im Jahr 2006 und nach dem Erscheinen weiterer Best-Ofs ("Damenwahl" mit einer Auswahl zum Teil unveröffentlichter Duette mit weiblichen Kolleginnen) erhält er Ende des Jahres die Eins Live Krone für sein Lebenswerk und singt zusammen mit Silbermond, Max Herre und Jan Delay.

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