Wer Marquess nach Sommer-Hymnen wie "El Temperamento" oder "Vayamos Compañeros" noch als One-Hit-Wonder abstempelt wird schnell eines Besseren belehrt. Das Quartett erweist sich als zuverlässige Hitmaschine und ist inzwischen bis weit über die Ballermann-Grenzen hinaus bekannt. Und das kommt nicht von ungefähr, denn hinter der stets gut gelaunten Animateur-Fassade verbergen sich ernstzunehmende Musiker und Produzenten. Sänger Sascha Pierro, Bassist und Keyboarder Marco Heggen, Dominik Decker (Gitarre) sowie Keyboarder Christian Fleps arbeiten vor Marquess allesamt hinter den Kulissen des Musikbusiness.
Noch bevor sich die Band 2006 schließlich zusammenfindet, versucht sich Sänger Pierro als Solokünstler. Der Deutsch-Italiener, geboren in Rotenburg (Wümme) und wohnhaft in Hannover, arbeitet als Songwriter mit Musikern wie Patrick Nuo, Oli P. oder der Jazzkantine zusammen. Bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2003 tritt er auch selbst als Sänger in den Vordergrund. Seine Pop-Ballade "Wenn Grenzen fallen" schafft es aber lediglich auf den 10. Platz. Im gleichen Jahr versucht der Hannoveraner noch einmal sein Glück mit seinem Album "Was Wäre Wenn...", aber auch das verkauft sich mehr schlecht als recht. Nebenbei verdient sich Sascha ein Zubrot mit Fotografien für befreundete Bands. Darunter liefert er auch die Coverfotos für ein Album und die Live-DVD von Tokio Hotel.
Der Rest von Marquess ist vor der Band-Gründung recht erfolgreich. Der angesehene Gitarrist Dominik Decker ist nicht nur ein gefragter Session-Musiker, er durfte sogar schon offizielle Remixe für Placebo und Depeche Mode beisteuern. Seit 1999 arbeitet er als Studio- und Livemusiker, unter anderem auch in der Band von Mariha. Dort spielt er zusammen mit seinem Bruder Christian Decker, dem Bassisten von Fury in the Slaughterhouse.
Diskographie
2006 Marquess
Auch Keyboarder Christian Fleps ist ein alter Hase im Musikbusiness. Er produziert Künstler wie Jasmin Wagner, Jimmy Somerville, Cultured Pearls oder Joana Zimmer und ist als Songwriter erfolgreich. Ebenso wie Marco Heggen, der sich vor allem auf dem Gebiet der Werbesongs und Jingles austobt. Er gründet sein eigenes Label Coastland und produziert die Sängerin Marla Glen. Weil man sich in der Musikbranche mehr als zweimal über den Weg läuft, kennen sich die vier seit vielen Jahren. 2006 beschließen sie, die Marktlücke der deutschen Latino-Boyband zu schließen und gründen Marquess.
Die Rechnung geht auf, und ihre erste Single "El Temperamento" wird nicht nur im touristischen Mittelmeerraum zum Sommerhit. Strategisch klug erscheint im September bereits das erste Album. Ihr Stil, Dancepop-Songs mit einem Mix aus Spanisch, Englisch und Italienisch, kommt bei den Sonnenhungrigen gut an. Bald ziehen Marquess mit ihrem Debüt in die Top Ten der deutschen Charts ein. 2007 legen Marquess bereits mit ihrem zweiten Album "Frenetica" nach, auf dem ausschließlich in spanischer Sprache gesungen wird. Die erste Singleauskopplung "Vayamos Compañeros" ist wieder ein Hit und erobert die Charts. Die Jungs erspielen sich einen festen Platz auf nahezu jedem Urlaubs-Sampler.
Allerdings scheinen Marquess lediglich diese Nische zu bedienen. Denn der Versuch, beim Grand Prix Vorentscheid mit ihrem Song "La Histeria" eine Karte nach Belgrad zu bekommen, scheitert. Die Mehrheit der Zuschauer wählt stattdessen die No Angels als Landesvertreter zum Grand Prix. Davon lassen sich die Pseudo-Latino-Barden aber nicht verunsichern. Allesamt haben sie genug neue Songs für die nächsten Alben im Gepäck. Und solange das Wetter in Deutschland meistens zu wünschen übrig lässt, werden sich Marquess sicher keine Sorgen über ihre Zukunft machen müssen.

