Prägnant, laut und heiter
Funpunkpoprock mit Vorliebe zu künstlerischer Verspieltheit: Das sind Los Campesinos! Die Band aus Cardiff zeigt deutlich, dass Musikmachen nicht nur heißt, Songs aufzunehmen, sondern auch ein offensives Erscheinungsbild zu prägen, das dem Image nur zugute kommen kann. Was hier bei "Hold On Now, Youngster..." aus den Boxen kracht, ist mit Bedacht eingespielt. Gitarrenschrammel Fehlanzeige. Es gibt auch ruhige Momente, die dann aber spätestens zum Ende dramaturgisch wieder zu einem Inferno aufreißen und den Punk raushängen lassen.
Los Campesinos! sind das, was Karpatenhund oder Jennifer Rostock für Deutschland sind: etwas lauter, frech und direkt. "Hold On Now, Youngster...": Unbeirrt, was irgendwer da draußen hören will. Sie sind authentisch. Das hört man ihnen an. Und jede Menge Leute hörten sie im Internet und der Schneeball wurde größer. Wieder so eine Mausklickband. Aber eine gute. Und eine mit dem vielleicht längsten Songtitel der letzten Jahre: This Is How You Spell "HAHAHA, We Destroyed The Hopes And Dreams Of A Generation Of Faux-Romantics".
Und was wollen Los Campesinos! nun? "Wir wollen einfach nur gut sein und Positives bewirken". Beim Hören der Songs scheint das Ziel auch schon erreicht. Sie wollen anders sein, aber irgendwie doch dazugehören. Jedenfalls wird man sie aufgrund ihrer frischen Rhythmen und heiteren Art irgendwie im Kopf behalten, wenn einem das Album erst einmal zu Gehör gekommen ist. Oder man schaut sie sich live an. Aber dazu müsste man derzeit nach Japan oder Spanien fliegen und feststellen, dass schon ganz schön viele Leute sie sehen und hören wollen.

