Zurück zu alten Werten
Es kracht und schreit, als stolzierten Affen durchs Studio und es scheppert wie ein Haufen zerbrochener Krüge. Nick Cave ist wieder halb solo zurück. Nicht, dass das schlimm wäre, wieder ein reguläres Album nach dem Projekt "Grinderman" zu veröffenlichen, aber was soll man zu einem wie ihn eigentlich an Worten verlieren? Nick Cave & The Bad Seeds sind auch auf Dig, Lazarus, Dig!!! unverkennbar vertrackt alternativ. Mit den Händen gezüchtete Gitarren, den Groove im Zaum, erobern sie auch weiterhin die Hinterhöfe, um sich keinerlei Blöße zu geben, auch nur ansatzweise ihre Stellung im Business von den Saiten reißen zu lassen.
Religion spielt auch auf dem vierzehnten Album eine nicht unbedeutende Rolle. Es ist, so beschreibt es Nick Cave selbst, ein "Blutsturz aus Worten und Ideen". Und im Folgenden einmal ein direkter Auszug aus der offiziellen Album-Mitteilung zu "Dig, Lazarus, Dig!!!, die einfach zu schön ist, um für sie andere vielleicht noch wulstigere Worte zu finden.
"Dig, Lazarus, Dig!!!" ist schwer fassbar, voller Anspielungen und höllisch trügerisch, eine schwindelerregende Geschichte, die die westliche Zivilisation von Homer bis Freud, von der Bibel bis zu den Beats aufrollt, und unterwegs ihre eigene Besetzung mystischer Charaktere einflicht. Little Janie und der finstere Mr. Sandman beobachten in Today's Lesson einen verbissenen Tanz, ein Schwall Geschlechterpolitik, in eine einzige, fiese Rock'n'Roll-Fabel verpackt; die wandernden Geister von Albert Goes West begeben sich auf einen zwischenstaatlichen Amoklauf durch psychotische Episoden und Spelunken-Biergelage; während der arme Lazarus sich allein und verlassen in dicht komprimierten neutestamentarischen Wundern, viktorianischem Spiritualismus und New Yorker Dekadenz wiederfindet."

