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Zahnspangen-Pop
Einfache Beats, harmonische Melodien und leicht verständliche Texte. Das ist wohl die Definition von schnödem Radio-Pop. Wenn dazu aber ein Hauch von Rebellion, gepaart mit energiegeladener Lebensfreude kommt, befinden wir uns schnell im Teenie-Land. So gesehen bei Madsen. Möglich, dass ihr erstes Album das Authentischste war. Gut, die Texte waren auch auf dem Debüt nicht die Tiefgründigsten, aber sie passten zum neuen, erfrischenden Sound der Wendländer. Die Band vermittelte ohne Punkt und Komma diesen reinen Charme und eine Scheißegal-Haltung, die man eben zum Mitbrüllen, nachts im Auto auf der Landstrasse braucht. Doch dann wurde Madsen plötzlich im Radio gespielt und die Bravo wurde auf sie aufmerksam. Das Resultat: Madsen orientieren sich nur noch an ihrer Zielgruppe - den 10-16 Jährigen. Das wurde schon auf dem Zweiten Album "Goodbye Logik" klar, und alle hofften, dass sie mit dem kommenden Tonträger noch einmal die Kurve kriegen.
Aber auch bei Madsen muss der Rubel rollen, und mit "Frieden im Krieg" haben sich die Jungs zumindest textlich endgültig verkauft. Zu erahnen war das bereits, als Sebastian bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest den Song "Nachtbaden" herausbrüllte. Der findet sich auf dem Album an zweiter Stelle wieder und beklagt den Ausgehzwang am Samstagabend. Wenn man bedenkt, dass der Sänger inzwischen dreißig Jahre alt ist, kann man Madsen wohl alles Mögliche zusprechen, aber bestimmt keine Authentizität. Die findet sich nur noch in ihren eingehenden Melodien wieder. Und das Album ist auch diesmal wieder voll gestopft mit Ohrwürmern. Jeder Song ist anders und geht beizeiten sogar richtig ab. Darin liegt die Stärke von Madsen - musikalisch sind sie wirklich gut, das muss man ihnen lassen. Aber wenn man diese gute Basis mit so einfachen aber eben nicht pointierten Texten bestückt, drückt das den Spaßfaktor einfach ziemlich nach unten. "Frieden im Krieg" ist dadurch leider so berechnend wie die 5 in Mathe, wenn man nichts getan hat.
Noch mehr Beispiele? Mit Songs wie "Nitro", in dem das Attentat von Columbine thematisiert werden soll, haken Madsen den Sozialkritischen Part des Albums ab. Damit haben die Musiker ihre gute Tat erfüllt und sind ihrer Rolle als Vorbilder gerecht geworden, ohne wirklich etwas Wichtiges gesagt zu haben. Die eine oder andere Ballade ist natürlich auch zu finden. Dabei muss erwähnt werden, dass Madsen mit ihrem "Liebslied" zur Abwechslung einmal ein wirklich gutes Lied gelungen ist. Das ist nämlich ausnahmsweise einmal wirklich authentisch und in seiner Einfachheit thematisch stimmig. Es geht eben "nur" um ein paar Zeilen, die einem den Tag erleichtern sollen. Nichts Tiefgründiges, aber gerade so reduziert, dass es nicht zu schmalzig rüberkommt. Bei "Wenn der Regen" sieht das allerdings schon wieder ganz anders aus. Man bekommt den Eindruck, dass Madsen doch gern etwas tiefgründiger schreiben würden, aber die Grenze der Zumutbarkeit einfach nicht überschreiten dürfen. Fragt sich, wie lange das noch gut geht. Das Prinzip ihrer Musik war eben von Anfang an, einfache Musik zu machen, die abgeht. Hirn ausschalten und Losgrölen tättovierten sie sich einst auf die Stirn. Wenn man im Herzen dazu steht, ist das ja alles in Ordnung. Aber wehe, wenn sie irgendwann mehr wollen.
Playlist
1. Ja oder nein
2. Nachtbaden
3. Nitro
4. Vollidiot
5. Du bist wie Du bist
6. Grausam und schön
7. Verschwende Dich nicht
8. Liebeslied
9. Astronaut
10. Kein Weg zu weit
11. Wenn der Regen
12. Frieden im Krieg
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