Zeitloser Retrosound
Sehr angenehm, dass es noch Künstler gibt, denen Trends zugunsten ihrer eigenen Vorstellung von Musik echt schnuppe sind. Wie Gonzales. Der Typ, der schon bei Sängerin Feist ein Gespür für besonderen Sound hatte, präsentiert mit "Soft Power" eine Sound- und Melodienkollage, wie man sie heutzutage lange suchen muss. Gonzales ist ganz verträumt und beseelt von seinem Versuch, etwas völlig Zeitloses zu schaffen, was ihm unweigerlich gelungen ist. Dabei ist der Name des Albums Programm und trifft die zu hörende Stimmung punktgenau: "Soft Power".
Auf "Slow down" klingt er wie ein Gerry Rafferty auf der "Baker street". Auf "Unrequited Love" wie ein früher Joe Jackson, der sich mit George Harrison zu Lebzeiten zum Jammen getroffen hat. "Soft Power" ist angenehmer Retrosound der Siebziger mit Klavier und seichten Drumhooks. Melodien wie Schmetterlinge auf Frühlingswiesen, dann mal wieder augenzwinkernd entspannt sommerlich.
Gonzales, dessen Sound einer verstärkten Gemeinde der Berliner Szene bekannt war und ist, ließ sich aber nie so richtig beschreiben. Da war von "melancholischem Klavier-Virtuose" die Rede, mal von einem "Grammy nominierten Workaholic". Fakt ist: Er ist für sich ein Unikat und man kann durchaus sagen, dass er mit seiner Musik provoziert. Klingt extrem. Ist aber eher wegweisend oder mit einem Fingerzeig gemeint, nach dem Motto "Es geht auch anders". Auf "Soft Power" kann man das hören. Und wer sich die Limited Edition zulegt, bekommt davon noch drei Stücke extra.

