Zeitloses für alles Mögliche
Dass der musikalische Tiefgang aus Frankreich kommt, wissen wir spätestens seit Jacques Brel oder Myléne Farmer. Eigentlich führt das fast schon zu blindem Vertrauen. Musik aus Frankreich gleich Anspruch und Zuhören. Na klar, das ist auch bei Jérôme Minière nicht anders. Die Unterschiede liegen in den Feinheiten. Sampler wie "Le Pop" zeigen eindrucksvoll, was im Staate Frankreich alles möglich ist. Jérôme Minière beschränkt sich auf seinem Album "Coeurs" auf minimalistische Arrangements.
Und mit den richtigen Kontakten und guter Arbeit verschafft man sich auch bei den Kollegen den entsprechenden Respekt. So traf Jérôme Minière auf Dominique A., einer der Meister des so genannten Nouvelle Chanson. Merkwürdig: Wenn's sein soll, klappt es immer irgendwie. Hier war es zufällig irgendeine Bar vor fünfzehn Jahren, also weit vor "Coeurs", die die beiden zusammenbrachte. Jérome mochte die erste Platte Dominiques und hatte seine Nummer herausgefunden. Er rief an, man traf sich und fand auch nach so vielen Jahren Gemeinsamkeiten. Den Rest nennt man wohl Geschichte.
Mit "Coeurs" hat Jérôme Minière ein ruhiges Kleinod geschaffen, den man irgendwann und irgendwo lauschen kann. Es ist keines dieser Alben, die zu irgendwas passen müssen. Die Songs funktionieren einfach so. Ohne Grund. Zeitlos für dies und das. Und man merkt, dass der in Montreal Lebende weiß, was er da getrieben hat. Schließlich blickt der Musiker, der gerne mit seinem Alter Ego Herri Kopter spielt, schon auf zwei frankokanadische Grammys, dem so genannten "Felix", zurück. Das spricht für Qualität.

