
Albumtitel ist Programm
Kleine Häppchen scheint Grace Jones gerne zu verstreuen. Nicht zu viel, nicht am Mythos kratzen, immer die Unnahbarkeit erhalten, das Mysteriöse glänzen lassen. Und sich selbst in perfekter Inszenierung nur alle paar Jahre mal zeigen. Die Diva ist zurück: mit Hurricane - nach über 20 Jahren mit einem Albumtitel, der in keinem Falle hätte besser gewählt werden können. Und schon im ersten Video zum Titel "Corporate Cannibal", das auf einschlägigen Internetseiten für Furore sorgte, zeigte sie genau das von sich, was man von ihr erwartet: nicht zu viel und im Grunde die Jones nur schemenhaft als Insekt und einer Art Monster in schwarz-weiß. Musikclip mit Gänsehaut.
Sie kommt mit Karacho und liefert mit "Hurricane" ein Album ab, dass die volle Grace Jones in all ihren Facetten zeigt. Nichts hat sie dem Zufall überlassen, hat mitunter jahrelang versucht, neue Songs aufzunehmen, bis sie auch mal heulend aus dem Studio lief, weil ihr das Ergebnis nicht gefiel. Und nun das: ein Orkan an krachenden Sounds, an genüsslichem Reggae, an polterndem Dancefloor. Ihre Heimat Jamaika immer im Visier.
Keine Füller: Hurricane überzeugt auf ganzer Linie. Was lange währt...man kennt das ja. Und im Falle Grace Jones ist alles mit Bedacht ausgewählt. Da macht es wenig, dass nur neun Songs auf dem Album zu hören sind. Wieder nur kleine Häppchen, auf die man lange warten musste, aber dafür umso mehr die Erfüllung bekommt. Eine Grace Jones, wie sie lange nicht zu hören war: energiegeladen, klar und eigensinnig wie immer. Da geht nichts verloren: weder die Spannung noch der Spaß am Zuhören - auf CD und Doppel-Vinyl. Und vielleicht gelingt es ihr sogar, einige neue Zuhörer auf ihre Seite zu ziehen. Mit ihren (angeblichen) 60 Jahren ist sie aufgeweckter denn je.
1. This Is
2. Williams' Blood
3. Corporate Cannibal
4. I'm Crying (Mother's Tears)
5. Well Well Well
6. Hurricane
7. Love You To Life
8. Sunset Sunrise
9. Devil In My Life
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