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Wer war nochmal Schuld..?
BOSSA NOVA heißt Michels neues Album, und das ist ein bisschen so, als nenne man seine Platte Rock, Vocal-Trance oder Stimmungsmusik – die perfekte Einladung zum großen Missverständnis.
Van Dykes Texte sind kurz, prägnant und finden immer den Punkt: „Für mich ist es nach wie vor das Erstrebenswerteste überhaupt, ein Songwriter zu sein, der mit wenigen Worten sehr viel sagen kann. Texte zu schreiben ist ein dauernder Prozess des Reduzierens eines Drehbuches auf den Kern einer Geschichte.“ Dabei geht für Michel im Zweifelsfall das Authentische vor dem Autobiographischen: „Ich möchte nicht, dass es zu persönlich wird. Ich will den Menschen etwas geben, womit sie sich identifizieren können. Und dann muss die Sprache auch noch gut im Song klingen. Beides ist mir viel wichtiger als irgendein autobiographischer Anspruch. Die Texte müssen natürlich authentisch sein, ich muss das genau so fühlen können wie ich es singe, aber ich muss das alles nicht zwangsläufig selbst erlebt haben – ich stelle mir auch sehr oft vor, wie ich mich in bestimmten Situationen fühlen würde.“
BOSSA NOVA ist viel mehr als Retro. Es klingt wie eine Platte von heute, bei der viele Klangquellen elegant ineinander fließen, aber gezielt auch Brüche und Schnitte zu hören sind. Ein bisschen wie Lego-Spielen: Es ist toll, wie realistisch das Gebastelte aussieht. Aber manchmal ist es auch wunderschön, die einzelnen Steine zu erkennen. Für Michel sind das aber nur nachrangige Fragen: „Das Wichtigste ist, dass die Elemente, die ich zusammenmixe in ihrem Verhältnis zueinander stimmen. Das eigene Gesicht dieser Platte ist mir eigentlich erst bewusst geworden, nachdem die meisten Songs fertig waren. Und dann konnte ich auch erst die drei oder vier Stücke aussortieren, die nicht in diese Stimmung passen.“ Deshalb gibt es keine lauten Stücke mehr: „Ich wollte ein Album machen, das man tatsächlich durchhören kann. Die Platten, die ich wirklich geliebt habe, haben immer eine ganz bestimmte Stimmung durchgehalten. DIE GROßE ILLUSION war eher ein normales Pop-Album – nach den Balladen kommt ein Uptempo-Stück, damit wir nicht einschlafen.“
Bei BOSSA NOVA wird trotz all der Ruhe, die die Songs ausstrahlen, erst recht keiner einschlafen. Dafür muss Michel nicht mehr auf die Pauke hauen. Seine klugen und gleichermaßen tief emotionalen Chansons entwickeln ganz von selbst diesen seltsamen Magnetismus, der den Daumen wie von Geisterhand gelenkt immer wieder zur Repeat-Taste gleiten lässt.
Michels Musik-Cocktail hinterlässt den Genießer wie ein guter Gin-Martini: gerührt, nicht geschüttelt. Und so wird aus vermeintlichem Easy Listening Michel van Dykes ureigene Genre-Nische, sein unanfechtbares Alleinstellungsmerkmal: Heavy Listening mit Hinhör-Zwang.
Playlist
01. Herbst
02. Schläfst du schon
03. Telephon
04. Auseinander gehen
05. Kriegen wir schon wieder hin
06. Liebe so gut es ging
07. Ich nehme es zu schwer
08. Regen warscheinlich 100%
09. Mehr Zeit
10. Wir tun es trotzdem
11. Neu in dieser Stadt
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