Allround-Talent
Noch auf seinem Debüt übte sich das britisches Leckerhäppchen mit samtweicher Stimme an Songs die Kritiker noch ahnungslos mit Neo- oder Retro-Soul klassifizieren zu versuchten. Das nichts davon so recht passt beweist das Allround-Talent auf dem anspruchsvollen Flicken-Teppich seines nun veröffentlichten Albums. Elf Songs wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten vereint Victor Davies auf Hoxton Popstars und legt damit unwissentlich den öffentlich gemachten Grundstein für eine hoffentlich noch lang andauernde Karriere. Angefangen mit Akustik-Folk im Intro "This One’s For Everyone", beschreitet er mit dem folgenden "Fly Away" schon Bossa-Nova-Pfade die unvermittelt in das soul-poppige "Mama’s Eyes" münden.
Trotz der abrupten Stimmungswechsel bleibt Davies jedoch seiner Linie treu und versteht es im Tracklisting mit den Emotionen und dem Verstand seiner Hörer zu spielen, die sich am Ende des folgenden "Maybe Tomorrow mit seinem chilligen Groove unvermittelt fragen müssen, ob sie sich den Bossa-Beat zwei Titel zuvor vielleicht nur eingebildet haben bis der smarte Urheber mit einem Augenzwinkern und auf "Morning Sun" wieder zu eben jenem Latin-Soul zurückwechselt.
Funky wird’s dann bei "Fire" was mit seinem Bläser- und Streicher-Arrangements schon ein wenig an die Disko-Ära der späten 70er anlehnt. Und während man gerade aufgeregt mit dem Popo wackeln möchte springt der Schmuse-Barde plötzlich in nachdenklichen Gitarren-Pop, nur um schon mit "Walking In The Rain" wieder den Wechsel zum sunset-tauglichen Lounge-Bossa zu zelebrieren dessen Cocktail-Atmosphäre dann Gottseidank auch bis zum Ende der Hoxton Popstars aufrechterhalten bleibt, aber definitiv Lust auf mehr macht.
Summa summarum ist Victor Davies Musik also nicht zwingend in der Neuzeit angesiedelt, und spielt kunstvoll mit dem Sound- und Harmonie-Elementen vergangener Dekaden, doch nirgendwo sonst wird sie so gebraucht wie im hier und heute. Empfehlenswerte Anspieltipps sind die Tracks : 02 Fly Away, 04 Maybe Tomorrow, 06 Fire und 11 "This One’s For Everyone (Reprise).

