Schottischer Überflieger
Mit dem wohl schönsten Debütalbum diesen Jahres geht die 'chinesische Schottin' in Vorleistung und knüpft an traditionelles Songwriter-Können an.
Ich persönlich halte ja nicht viel davon die Lebensgeschichte von jemandem auszurollen den bislang noch kaum jemand kennt. Wen es nach dem Hören dieses wunderbaren Songwriter-Debüts interessiert woher die Dame mit der erdigen Stimme und den Guitar-Pedal-Künsten nun kommt, wie sie zur Musik fand und nun schließlich ein Album vorlegt, was seines gleichen sucht, der sei auf ihre Homepage verwiesen. Allen anderen müssen sich vorerst mit den wirklich wichtigen Infos zufrieden geben. Scharfe Brünette mit Gitarre ist doch schon mal Aussage genug um ein näheres Ohr zu riskieren, oder?
Aufmerksam wurde ich auf KT via eines Fernsehauftrittes, bei dem sie lediglich via Pedal ihre eigene Backline aufbaute. Nicht nur dass die Frau dabei alleine eine ganze Band gab, nein das groovte auch noch extrem, wie im Übrigen das gesamte Album, wiewohl nicht jeder Song so fetzt, wie „Black Horse And A Cherry Tree“. Auch die leisen Töne kann sie anschlagen wie etwa bei „Silent Sea“, dem darauf folgendem „Universe & U“, oder „Heal Over“ und bewegt sich dabei spielerisch durch die verschiedensten Genres von Soul bis Folklore. Wie zwangläufig logisch bei jemanden, der seine Emotionen in Lieder kleidet, statt aus dem Repertoire anderer zu schöpfen, kommt es auch KT nicht darauf an ob die 12 Titel auf „Eye To The Telescope“ einem Konzept oder übergeordnetem Schema folgen, sondern inwieweit sie ihre unterschiedlichen Gefühle widerspiegeln, die Facetten ihrer Persönlichkeit aufzeigen und somit ehrlich zu uns sprechen, wenn wir ihnen lauschen.
So ist es ausnahmsweise keine Übertreibung wenn ihr Label von einer „zugänglicher Mischung aus bodenständiger Frechheit, sehnsüchtiger Zerrissenheit und Spätabend-Stimmung“ spricht. Genau dies findet jeder, der diesem Debüt im Stile von Aimee Mann bis Coldplay aufmerksam lauscht.

