Das dritte Album in voller Länge
Zählt man das letztjährige Mini-Album "Night Freak & The Sons Of Becker" mit, so stehen für die Jungs bereits drei Alben in vergangenen drei Jahren zu Buche: Neben "Nighfreak" veröffentlichten James Skelly und Kollegen ihr umjubeltes Debütalbum "The Coral" (2002) und das "Mercury Prize"-nominierte UK-Nummer-Eins-Album "Magic & Medicine" (2003) - allesamt produziert von Lightning-Seeds-Mastermind Ian Broudie. Von Anfang an bediente sich die Band an einer Schwindel erregenden Fülle an Stilen – dabei fördern dabei Genres zu Tage, die keiner ihrer Altersgenossen je aufzugreifen wagen würde. Balladen, vorzugsweise in Moll gehalten, mit abenteuerlichem Wild-West-Flair und dem Fluidum einer mondhellen Nacht in einem morastigen Sumpfgebiet im Süden der USA. Wie cool ist DAS bitte? Eine Recherche nach vergleichbaren Bands ihrer Alterklasse wäre derweil vergebens – die sechs Briten sind für musikalisch schon viel zu weit fortgeschritten, ihrer Generation längst enteilt. The Coral haben die Zukunft im Blick und stecken auf ihrem Weg die Nasen in jedes musikalische Süppchen, das jemals irgendwo vor sich hin köchelte. Außerdem sind The Coral ob ihrer Jugend mit einem schier unglaublichen Selbstbewusstsein ausgestattet. Wie ein rotierendes Kultur-Kaleidoskop schöpfen sie ihre Inspiration etwa aus WWF, Darwins "Origin Of The Species", Hemingway und Huckleberry Finn. Wählerisch, aber trotzdem stets zugänglich. Alles, mit dem sie in Kontakt kommen, wird assimiliert, reflektiert und in das bestehende Wertesystem eingefügt. Marley. Die Beach Boys. Die Doors. Treasure Island. Der amerikanische Bürgerkrieg. BMX-Räder. Was immer Dir auch einfällt – die Jungs interessiert‘s. James bringt das Verfahren auf den Punkt: "Inspiration ist überall".
Jetzt erscheint mit "The Invisible Invasion" das dritte Full-Length-Album der Band im dritten Jahr – für heutige Musikfans ein beispielloses Phänomen an Fleiß und Strebsamkeit. Wirft man jedoch einen Blick zurück in die Musikgeschichte, erscheint eine derartige Veröffentlichungspolitik weit weniger ungewöhnlich: Sowohl den Sechzigern (The Beatles), als auch in den Siebzigern (The Clash) und Achtzigern (The Smiths) gab es klassische britische Bands, die pro Jahr eine LP ablieferten. "The Invisible Invasion" ist das entspannteste und reifste Werk bislang. Es ist eine Platte für Leute, die noch in der Lage sind, wirklich zuzuhören. Ein Album, das dir auch in den Pausen zwischen den einzelnen Hör-Durchgängen keine Ruhe lässt und bevor du dich versiehst, ist das Ding in deinem iPod auf Dauer-Wiederholung, wie ein bester Freund, ohne den du dir dein Leben nicht mehr vorstellen kannst. Ein Gutteil des Sucht-Potenzials des Albums lässt sich ohne Zweifel auf die subtile Produktion der Portishead-Soundmeister Geoff Barrow und Adrian Utley zurückführen. Letzteren bezeichnet Skelly als einen "Freak" und "brillanten Gitarristen". "Sie haben es genau so hinbekommen, wie wir das wollten. Sie kamen vorbei, haben uns im Proberaum zugesehen und waren bei Konzerten. Sie haben uns mehr Raum und Tiefe gegeben, als wir je zuvor hatten." Das ganze Album verströmt einen Vibe, der nur sehr schwer zu quantifizieren ist, eine Art Sechziger-Jahre-Wärme, die schon längst verschollen schien – durch die befähigten Hände der Jungs jedoch eine erfrischende Wiedergeburt erfährt.
Die Arbeit an "The Invisible Invasion" begann zu Beginn des vergangenen Jahres. Die Band mietete für zwei Wochen ein Haus im Lake Distrikt und probte die achtzehn für das Album in Frage kommenden Songs, feilten, bogen und schnitzen an ihnen herum, bis sie soweit waren, sie auf Acetat zu bringen. Im Verlauf des folgenden Jahres "hat sich an den Songs eigentlich nicht mehr viel verändert", erinnert sich James. Das Album wurde in den "Mono Valley Studios" in Monmouth, Wales, den "Elevator Studios" in Liverpool und in Geoff Barrows "State Of The Art Studio" in Bristol aufgenommen und in "Bath Moles" abgemischt. "Dieses Album vereint die besten Sachen aus unseren vorigen Alben. Außerdem war es uns wichtig, ein Album zu haben, das wir – im Gegensatz zum letzten – auch problemlos live spielen können", erklärt James Skelly. Die erste Single "In The Morning" ist schlicht und ergreifend ein Paradebeispiel raffinierten Songwritings, im Geiste wippen Zich-Millionen Füße versonnen im Takt mit. "Es ist so poppig wie man sich überhaupt nur vorstellen kann", sagt James. Der Song "So Long Ago" weckt gleichermaßen Assoziationen an die Byrds und Northern Soul. Auf der anderen der Spektrums gibt es auf dem Album das Stück "Arabian Sands" (Skelly: "Das ist ein Song über Das Dali-Bild "Mad Man In The Desert"), bei dem sich The Coral von ihrer allerbesten Seite zeigen, indem sie einmal mehr jede Risikoscheu über Bord werfen und die Popmusik-Betriebanleitung mal eben aus dem Cockpit schmeißen. Und dann sollte man sich unbedingt den Track "Late Afternoon" anhören – es sind die bislang schönsten vier Minuten in der Karriere der Band.
Im April geben The Coral in England einige Konzerte. Und da James Skelly sagt, "dieses Album muss live gespielt werden. ‚Magic & Medicine’ war ein Studioalbum, aber wir wollen jetzt so viele neue Songs wie möglich live spielen", darf man gespannt sein, ob die Jungs nicht noch ein paar Konzerte in Kontinentaleuropa nachlegen werden.
Playlist
01. She Sings The Mourning
02. Cripples Crown
03. So Long Ago
04. The Operator
05. A Warning To The Curious
06. In The Morning
07. Something Inside Of Me
08. Come Home
09. Far From The Crowd
10. Leaving Today
11. Arabian Sand
12. Late Afternoon
CD Kritik twittern
bei facebook posten
auf myspace adden
- Mehr zum Thema
Bildergalerie
The Coral
und anderen neuen CDs nie mehr verpassenSetz einen Backlink auf diese Seite! Der Linkcode eignet sich für Quelltexte von Webseiten, der BB-Code ist in fast jedem Forum nutzbar.
URLLinkcode
BB-Code
Trag diese Seite bei Social-News- und Social-Bookmark-Portalen ein und empfiehl sie anderen per Email. Einfach auf den Button klicken!
The Coral
in deinem Browser als Favorit oder Lesezeichen! Der Link funktioniert mit allen derzeit gängigen Browsern.Seite im Browser bookmarken
- Mehr CD Kritiken
Komplettes Archiv
Gleicher Zeitraum - Surftipp
The Coral Videos
Check die Community zum Thema The Coral CD Kritik im Musik Forum und diskutiere über CD und DVD Kritiken, Musik, Mp3 Downloads, Top 100 Charts, Mp3 Software oder diese Themen:

