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CD Kritik vom 20.06.2005

Kelly Osbourne: Sleeping In The Nothing

Kelly Osbourne: Sleeping In The Nothing | CD Kritik
Kelly Osbourne
Sleeping In The Nothing

Na schau mal einer an...

Na schau mal einer an, so kennt man die kleine Rotzgöre ja gar nicht (das meine ich jetzt ausnahmsweise mal sehr liebevoll). Wird da doch im Video zur Single "One Word" sehr künstlerisch eine Anleihe auf den Agentenfilm-Klassiker "Alphaville" erzeugt und wir sehen Kelly im Kostüm und mit optisch ganz passabler Miniplie-Frisur zielsicher durch die Gänge marschieren - immer hübsch auf der Suche nach der Liebe und musikalisch nicht weniger eingängig an Visages "Fade To Grey" erinnernd.

Vorbei sind nämlich die Zeiten des Möchte-Gern-Punks. Mithilfe von Linda Perry (u.a. Pink, Christina Aguilera, Gwen Stefani) geht der Zweitling des Osbourne-Sprosses deutlich mehr in Richtung Dance- und Elektro, was abgesehen vom Avril Lavigne-tauglichen "Uh Oh" auch ganz gut gelingt und Kellys ja doch eher dünnes Stimmchen gut in Szene setzt. Doch ist "Sleeping In The Nothing" nicht nur vom Titel her sondern auch inhaltlich sehr persönlich geworden. Die Aufnahmen überschnitten sich mit Kellys Entzugsprogramm und gewähren mitunter tiefe Einblicke in das, was wirklich im aktuell rabenschwarzen Köpfchen vorgeht. Fans werden sicher schon länger geahnt haben, dass hinter der agressiven Pose, den trotzigen Sprüchen und der allgemein an den Tag gelegten Egal-Haltung der 20-jährigen auch das Überspielen von Unsicherkeiten, Ängsten und Zweifeln mitspielt, doch werden diese auf den insgesamt zehn neuen Tracks erstmals thematisiert.

Ist der Überraschungseffekt verflogen stellt sich jedoch schnell die Erkenntnis ein, dass Kelly ihrer Produzentin Perry doch etwas arg viel freie Hand gelassen hat, klingen doch manche  Titel zu deutlich nach bereits erfolgreichen Produktionen anderer. Neben dem bereits erwähnten Lavigne-Verschnitt "Uh Oh" ist "Secret Lover" so deutlich dem Stile Gwen Stefanis abgekupfert, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann und Kelly gratulieren muss, dass sie sich dabei dennoch wacker schlägt. Immerhin sind aber auch einige der Perry'schen Experimente sehr vorteilhaft ausgefallen wie z.B. das direkt folgende "I Can't Wait", das smashige "Don't Touch Me" à la Garbage oder das eingänge aber Depeche Mode-verdächtige "Save Me".

Was die Wandelbarkeit anbelangt kann man Kelly also keine Vorwürfe machen. Sleeping In The Nothing ist für einen Zweitling ebenso überraschend wie rund ausgefallen. Trotzdem bleibt zu wünschen dass Kelly sich ob dieser gehäuften Hommagen an etwaige Vorbilder auch selbst etwas daraus gezogen hat und uns beim nächsten Mal dann wirklich etwas eigenes vorstellt. Auf dem besten Wege dahin scheint sie jedenfalls zu sein..

Playlist:

01. Sleeping in the nothing
02. One word
03. Uh oh
04. Redlight
05. Secret lover
06. I can't wait
07. Edge of your atmosphere
08. Suburbia
09. Don't touch me while I'm sleeping
10. Save me
11. Entropy

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