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CD Kritik vom 13.06.2005

Roisin Murphy: Ruby Blue

Roisin Murphy: Ruby Blue | CD Kritik
Roisin Murphy
Ruby Blue

Moloko Solo

Wer schon Moloko ansich einige Schrägheit zusprach, muss sich das aktuelle Soloprojekt von Sängerin Roisin anhören, das gemeinsam mit Matthew Herbert entstand und von Sample-Schnipseln bis zum Jazz-Arrangement alle Grenzen auslotet.

 

Jazziger Synthie-Pop oder einfach nur elektrischer Freejazz? Die Reichweite der insgesamt 12 Titel auf Ruby Blue ist nur schwer greifbar. Irgendwo zwischen genialer Kunstform und durchgeknalltem Wahnsinn durchwandert die Moloko-Frontfrau diesmal solo und wie ein Offroader das schwierige Gelände. Allerdings nicht schwer und bullig wie ein großer Jeep, sondern mehr katzengleich auf Samtpfoten und eingezogenen Krallen. Mal springt die Vokal-Artistin dynamisch von Klippe zu Klippe, mal schmiegt sie sich in enge Pässe, lauert am Boden und vermittelt dem Hörer das Gefühl ihn ständig im Auge zu haben.

 

Die verwandten Samples des Opener „Sinking Feeling“ beispielsweise erinnern an mechanische Kräfte die keine Fließbewegung zulassen und nur stupide in ihrem Rhythmus arbeiten, und doch liegt ein beschwingtes Fingerschnippen in der Luft und die anfänglich harsche Atmosphäre verwandelt sich dank Roisins eigentümlicher Stimme in die des späten Late-Night-Jazz einer rauchigen Bar. Bei „Through Time“ wiederum sind Arrangement und Stimme im Grunde homogen, erlangen jedoch durch die eingestreuten Effekte eine gewisse Unruhe, was am deutlichsten via Kopfhörer deutlich wird.

 

Der größte Spaß ist eindeutig „Ramalama (Bang Bang)“, welches mit Hasen-Ähnlichen Boing-Boing-Geräuschen schließlich eine gewisse Komik aufweist, wenn Ms. Murphy statt dem Bang Bang dann tatsächlich die Worte „Boing Boing“ singt. Überhaupt ist entspanntes „Einfach mal Zuhören“ nur bei wenigen der Tracks so möglich wie beim abschließenden „The Closing Of The Doors“ und wird Ruby Blue wegen seiner Exeperimentalität zwar zum Kritiker-Liebling erheben, in der eigenen HiFi-Anlage jedoch zu keinem Dauerbrenner werden lassen. Man muss schon einen sehr aufgeräumten Kopf haben um dieser Form von abstrakter Musik lauschen zu können ohne zu schnell genervt zu sein. Bei etwaig bespielten Modeschauen, Vernissagen und auch den Live-Terminen zum Album sollte man jedoch gerne mal reinschauen.

Playlist:

01. Leaving The City

02. Sinking Feeling

03. Night of the dancing Flame

04. Through Time

05. Sow into You

06. Dear Diary

07. If We're in Love

08. Ramalama (Bang Bang)

09. Ruby Blue

10. Off on it

11. Prelude To Love in The Making

12. The Closing of the doors

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