
Very fonkey
Das beste – aber leider wohl auch letzte – Album der deutschen Funkgötter Spice, dessen Veröffentlichung acht Jahre nach Aufnahmen-Beginn nun endlich gefeiert werden darf.
„Da war doch mal... ich hab doch.. irgendwo hier muss es doch sein“, so oder ähnlich könnte ein weniger gut sortierter Plattendealer stammeln wenn man ihn auf Spice anspricht. In der Tat konnte die Combo rund um Sänger Martin Bettinghaus im Funk-Bereich zwar einige Lorbeeren verdienen und machte mit ihrem Namensstreit gegenüber einer englischen Mädchenband sogar kurz Schlagzeilen bis diese sich kurzerhand Spice Girls nannten, doch so recht biographisches wird erst bekannt.
So trafen sich die fünf Mitglieder anno 1993 erstmals um die WahWah-Gitarren-dominante Plattensammlung von Percussionist Max Olgivie zu studieren und einhellig zu beschließen, diesen Sound locker aus Ärmel schütteln zu können, was schließlich auch den sechsten Mann und Sänger Bettinghaus überzeugte. Dubiosen Umständen zufolge fand sich bereits kurze Zeit später ein Proberaum-Mitschnitt im Tapedeck einer hannoverschen Disco wieder und begeisterte die Massen, die dies für eine seltene auditive Glanzleistung irgendeiner Kifferbude im tiefsten Alabama und aus den frühen 70ern hielten. Noch ehe es sich die Jungs versahen spielten sie als Vorband von Maceo Parker, bekamen noch während des Gigs einen Vertrag angeboten und ließen wohl auch den Altmeister nicht schlecht staunen, der sie unglaublich „fonkey“ nannte. Wohlgemerkt fonkey, nicht funky, also mehr geht nicht.
Die Folge waren – und jetzt sind wir wieder dort wo wir dem immer noch grübelnden Azubi bei Mediamarkt auf die Sprünge helfen – Klassiker wie „Turn It On“, „Funkiest Body In Town“ oder „Dark End Street“ (auf diesem Album netterweise gleich als Bonus-Video zu bestaunen), sowie die zugehörigen Alben Fred’s Bowling Center und Vario Bel Air, großartige Live-Konzerte und die 1997 startenden Aufnahmen zu dem jetzt vorliegenden Spice Overdrive. Damit ist die Band-Bio jedoch auch leider schon abgehandelt. Nachdem das Album nicht wie geplant 2001 veröffentlicht wurde, lösten sich die WahWah-Freunde auf. Erst letztes Jahr sah man sich noch einmal im Studio um mit „Big Blue Sky“ einen letzten noch ausstehenden Track aufzunehmen und die Karriere somit mit ihrem besten Album überhaupt würdig abzuschließen und Maceo Parker absolut Recht zu geben: „Lord have mercy, what a fonkey band!“
01 Love in the City
02 Sweet Success
03 Sexy lady
04 Can´t get enough
05 Mirror
06 Loose it
07 The River
08 Big Blue Sky
09 Doin it
10 69 overdrive 11 Reprise
Keine Neuigkeiten mehr verpassen!