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CD Kritik vom 20.06.2005

Saint Etienne: Tales From Turnpike House

Saint Etienne: Tales From Turnpike House | CD Kritik
Saint Etienne
Tales From Turnpike House

Very easy listening

Ein Konzept-Album über das Leben im sozialen Wohnungsbau war der hehre Ansatz für das neue Werk des Trios. Herausgekommen ist – zumindest klanglich – aber eher die sonnige Côte d’Azur, das Pariser Flair und viel, viel Schönes.

 

Edelpop-Projekt werden Saint Etienne alias Bob Stanley und Pete Wigg samt der seit den 90ern fest zugehörigen Sängerin Sarah Cracknell gerne mal umschrieben. Und was so hochgestochen intellektuell klingt ist eine in der Tat höchst treffliche Bezeichnung. Fanzösisch anmutende Lounge-, Cabrio und Wohnzimmer-Lavalampen-Klänge sind es nämlich, die der Briten Köpfe entspringen. Neuerdings wird dann noch etwas kräftiger am Synthie geschraubt, so dass man sich – wie beim Titel „Lightning Strikes Twice“ schon arg beherrschen muss keine Parallelen zu Goldfrapp oder auch Kylie Minogue zu ziehen, sonst aber ist auch das neue Werk „Tales From Turnpike House“ wunderbar entspannt ausgefallen und fast schon schmusig zu nennen.

 

So ist der Opener „Sun In My Morning“ mit seinen sanften Bossa-Rhythmen schon jetzt für eine der kommenden Café Del Mar-Compilations prädestiniert, das folgende „Milk Bottle Symphony“ erinnert eher an überzeichnet schnelle Fahrten durch ein nächtliches London (Ihr wisst schon, wo im Video nur noch die fließenden Lichter statt einzelner Autos zu erkennen sind) und „Slow Down At The Castle“ ist trotz oder wegen seiner Flamenco-Gitarren der wohl stilübergreifendste Dancefloor-Hit in Spe, der je geschrieben wurde. Weiter geht’s mit 80er Jahre-Pop à la Erasure (nur besser) bei „A good Thing“ und der prägnanten Single „Side Streets“ die gar nicht anders kann als in ferner Zukunft für eine französische Käsesorte zu werben, so sehr ist das Savoir-Vivre hier in Musik umgewandelt worden.

 

Dann aber durchlebt die Atmosphäre des Albums mit „Last Orders For Gary Stead“ eine ungewohnte Wandlung: Es wird rockig, und das inklusive BeachBoy-verdächtigem Falsett-Chören als kleiner Akzent auf den Schrammel-Gitarren! Dann plötzlich: Rollschuhdisko-Klänge auf „Stars Above Us“ und durch die Gastvocals von David Essex bedingte Bowie-Anleihen auf „Relocate“. Es folgt das schräg instrumentale „The Birdman of EC1“ und das im Erzählmodus gehaltene „Teenage Winter“, dessen Arrangement ein wenig Melancholie verspricht und schließlich der Abschluss der Geschichten aus dem Turnpike Haus: „Goodnight“ in dem Ms. Cracknell ihre Stimme so sanft schmeicheln lässt, dass süße Träume für den Fall tatsächlich plötzlichen Schlafes garantiert sind.

 

Zusammenfassend haben St. Etienne mit „Tales From Turnpike House“ fast schon erschreckend gut die bedingt hohen Erwartungen erfüllt und übertroffen. Die immerhin zwölf Titel sind ebenso abwechlungs- wie einfallsreich, wunderbar eingängig und harmonisieren so herrlich, wie Erdbeeren mit Sahne oder Apfelzimtpfannkuchen mit Vanille-Soße. Da kann man nicht kritteln, da muss man genießen...
Playlist:

01. Sun in my morning

02. Milk bottle symphony

03. Lightning strikes twice

04. Slow down at the castle

05. A good thing

06. Side streets

07. Last orders for Gary Stead

08. Stars above us

09. Relocate

10. The birdman of EC1

11. Teenage winter

12. Goodnight

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