Macht diese "Boings" lauter!
"Supernature" ist ein Koloss von Pop-Album, vielschichtig und aufregend. Da wäre z.B . das Acid-angehauchte, mit zauberhaftem Gesang versehene "U Never Know", das unwiderstehlich packende Pochen in "Lovely To See You", die röhrenden, an Gary Numan erinnernden Synthesizer in "Koko Nights", die orchestralen Nebelschwaden in "Time Out From The World", die pervertierten Roboter-Klänge in "Slide In" und das wunderbar verführerische "Let It Take You". Davor kommt allerdings noch "Satin Chic", bei dem sich Will am Honky-Tonk-Piano austobt. "Es ist ein Riesenspaß", gesteht Alison grinsend. "Eine etwas schrullige und leicht garstige, aber gleichzeitig einfache Platte voller Querverweise und Anspielungen auf Farben, Konkurrenzdenken und Besitzgier, und all dass noch verstärkt durch die übertriebenen "Boings". Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren mal auf einem Konzert des legendären Roots, Reggae und Dub Artisten Jah Shaka war. Ich fand den mit all seinen selbstgebauten Geräten und seinem ungeheuren Ideenreichtum absolut umwerfend. Ich habe im Studio, verrückt vor lauter Aufregung, geschrien: "Macht diese "Boings" lauter!"
Dann ist da noch die - und auch das ist schon gute Tradition - brutzelnd heiße erste Single "Ooh La La". Eine raffiniert pulsierende und dynamische Glam-Pop-Nummer. Alisons Hommage an die mordsmäßigen, unerreichten und verspielten Vocals alter Marc Bolan-Klassiker. "Dekadent und ooh-la la", wie Alison treffend bemerkt. "Die Art und Weise, wie man in den 70ern mit Vocals verfahren ist, mit übereinander geschichteten Gesangsspuren, Slap-Back Effekten und fetten Drum-Sounds - das hat uns schon immer gefallen. Ich liebe diesen leicht tuntigen Touch. Dieses anrüchig Verschmollte fand ich immer sehr anziehend. Marc Bolan konnte das hervorragend, so wie auch Marlene Dietrich. Grollend, sexuell aufgeladen und zweideutig".
Kennen gelernt haben sich Alison Goldfrapp und Will Gregory im Jahre 1999. "Bevor wir überhaupt versuchten gemeinsam Musik zu machen, haben wir uns damals erst mal gründlich beschnuppert", erinnert sich Alison. "Das war interessant, denn vorher lief das bei mir immer genau umgekehrt. Man traf sich halt irgendwo und begann Musik zu machen, ohne vorher über diese geredet zu haben. Man hoffte halt immer, dass irgendein Wunder eintreten würde. Wir zwei hatten uns jedoch gründlich vorbereitet, und wir wussten genau, was wir wollten. Es ging also nicht darum, wer eine coole Jacke oder coole Turnschuhe trug oder solch langweiligen Mist. Denn all diese Leute, die angeblich so radikal und fortschrittlich sein sollten, waren letzten Endes doch nur die, die immer auf Nummer sicher gehen wollten. Da hieß es dann: "Du kannst doch da keine Streicher verwenden, das klingt viel zu sentimental und romantisch!" Immer hieß es: "Dies geht nicht, das geht nicht", weil es angeblich nicht "cool" war. Typisch 90er Jahre!"

