
Die Wiederentdeckung des Handwerks
Als Schöpfer des Soundtracks zur „fabelhaften Welt der Amélie“ gefeiert, ist auch das neue Werk des Multiinstrumentalisten eine Offenbarung moderner Symphonie-Kunst und handgemachter Popkultur.
Auf die Quizfrage woran echte Kunst erkennbar ist, gibt es diverse Antwortmöglichkeiten. Im Falle der Musik von Yann Tiersen verschmelzen sie in Unbegreifbarkeit und Unerklärlichkeit. Denn wie auf seiner aktuellem Album Les Retrouvailles mit den Mythen von Pop, Chanson, Rock und Lounge gespielt wird, ohne dazu einen einzigen technischen Effekt zu verwenden ist weit mehr als handgemachter Schöngeist, es ist eine musikalische Offenbarung.
So liefert Tiersen auf den insgesamt 16 Titeln in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Jane Birkin, Elizabeth Fraser, Dominique A, Miossec und Stuart A. Staples eine melodiöse Verkostung von Melancholie, Zeitgschehen, Gedanken und Atmosphäre die sich dem Zuhörer in einem steten Auf und Ab der Gefühlswelten präsentiert und nur subtile Wertungen zulässt. Der Opener „Western“ beispielsweise breitet sich dynamisch aus, wie ein loderndes Feuer und beschleunigt unmittelbar den Herzschlag bevor „Kala“ ihm mit Sirenengleichem Gesang die Sinne vernebelt.
Weitere geht’s mit dem frohgemutem „Loin des Villes“, dem gauklerischen „La Veillée“, und der Piano-Ballade „Plus d’Hiver“ die mit jedem Ton eine Schneeflocke schmelzen lässt. Doch auch kurze Momentbeschreibungen wie „Le Matin“, „La Plage“ oder „La Jetée“ spielen mit ihrer dichten Instrumentation und dem was unser Gehirn im Stande ist davon aufzunehmen wie ein Irrlicht im Dunkeln, das von einem Ort zum anderen hüpft, uns verwirrt und stolpern lässt aber zu schön ist, als dass wir davon lassen könnten.
01. Western
02. Kala
03. Loin des villes
04. La veillée
05. Plus d'hiver
06. A ceux qui sont malades par mer calme
07. A Secret Place
08. Le matin
09. Les enfants
10. Le jour de l'ouverture
11. La boulange
12. La plage
13. Mary
14. 7 Pm
15. Les retrouvailles
16. La jetée
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