01. So Tired (Album Version) 02. Say What You Will (Album Version) 03. I'm Going Left (Album Version) 04. Love Don't Love Nobody (Album Version) 05. Revolution (Album Version) 06. Love Comes To Everyone (Album Version) 07. Lost And Found (Album Version) 08. Piece Of My Heart (Album Version) 09. One Day (Album Version) 10. One Track Mind (Album Version) 11. Run Home To Me (Album Version) 12. Back Home (Album Version)
“Slow Hand” ist älter geworden und kehrt nach 20 Jahren ununterbrochenen Tourlebens wieder nach Hause zurück. Das dies auch im Geiste nicht ohne Folgen bleibt beweist sein aktuelles Album, eindrücklich geprägt von neuen Prioritäten wie der eigenen Familie.
„So tired“ lautet der Opener des neuen Clapton-Albums und läutet eine völlig neue Geisteshaltung seines Schöpfers ein, der nach 20 Jahren on the road nun dem Reiz von Haus und Herd, von Kind und Kegel erlegen scheint. Fotografien aus dem Familienalbum bestimmen daher auch den Inhalt des Booklets und suggerieren uns einen älteren, reiferen, gesetzteren Musiker der vom ungewohnten Standpunkt aus erneut seinen Blick in die Welt schweifen lässt.
Mit diesem Wissen ausgestattet beschauen wir uns Titel wie die aktuelle Single „Say What You Will (Good Love Is Hard To Find)“ dann auch gleich mit anderen Augen und stellen die Botschaft vor die musikalische Langeweile. Spätestens mit „I’m Going Left“ hat sich Clapton dann aber wortwörtlich für eine einzuschlagende Richtung entschieden und präsentiert sich wieder gewohnt flott und beschwingt. Background-Vocals im Frage-Antwort-Spiel, Bläsersätze und das gute alte Piano geben sich groovig und mit der Gute-Laune-Garantie eines Live-Konzertes inklusive dem hierfür typischen Ausklingen.
Wer jedoch gerade in Fahrt gekommen ist erhält mit „Love Don’t Love Nobody“ erstmal wieder einen melancholischen Dämpfer, hier wird so bös auf die Tränendrüse gedrückt wie man es von Gary Moore’s Blues-Zeiten her kennt. Clapton aber lässt sich nicht auf solche Klischees festlegen und legt mit „Revolution“ - natürlich im Reggae-Gewand – noch einen drauf. Danach das obligatorische Motivationslied für die Leidtragenden dieser Welt „Love Comes to Anyone“, und leider klingt es auch wie Ringelpietz-Mit-Anfassen beim Kirchentag und alles wird wieder gut.
Auf „Lost and Found“ dann endlich wieder Clapton. Mit Blues und Schrammel-Orgel und dunkler Stimme, eben wie sich das gehört mit vorhersehbarer Dynamiksteigerung zum Refrain und Rückfall in die Strophe, geht doch! Der Rest des Albums bis auf „Back Home“ und seiner Lagerfeuer-Romantik bleibt jedoch mit starker Reminiszens an Gary Moore behaftet – nur ohne dessen gekonnte Gitarrensolis – und damit irgendwie abgegessen. Schade eigentlich, denn gerade ein Clapton könnte auf seine alten Tage doch mal politisch unkorrekt oder zumindest experimentell werden. Naja, ich hoffe dann halt aufs nächste Album.