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Gegengewicht zu Britney & Co.
Seit ihrem globalen Durchbruch mit dem platinüberhäuften Tuesday Night Music Club (1993) hat die einstige Musiklehrerin bzw. Studiovokalistin pausenlos gearbeitet. Jedes veröffentlichte Album wurde umgehend auf einer Tour präsentiert, und die wenige Zeit, die ihr zur Verfügung stand, nutzte sie, um an gemeinsamen Songs mit so unterschiedlichen Künstlern wie den Rolling Stones, Kid Rock oder Willie Nelson zu arbeiten. Nach der ausgiebigen Tour, die sie gleich nach dem Release ihres Best-Of-Albums antrat, entschloss sich Crow dazu, das Tempo ein wenig zu drosseln: "Ich gönnte mir viel Freizeit, um nachzudenken, um das Leben zu überdenken, zu beobachten. Ich wollte die alte Idee wieder aufleben lassen, bei der ich zunächst Geschichten sammle, mein Leben lebe, und mich erst dann hinsetze und neue Songs über diese Erfahrungen schreibe." Sie packte ihre Siebensachen zusammen, nahm ein paar Gitarren und ein Aufnahmegerät mit und ging nach Spanien.
"Die Heimat hinter sich zu lassen, einen unbekannten Ort zu entdecken, ein Land, in dem ich nicht einmal die Sprache verstehe, und vor allem jede Menge Zeit, die ich alleine verbracht habe, um das Chaos der Welt zu beobachten - all das hat sich in den Aufnahmen für die neue Platte niedergeschlagen. So gibt es zum Beispiel einen Song, der sich mit den unterschiedlichen Religionen der Welt befasst, der hinterfragt, wer oder was Gott eigentlich ist. Oder aber ich schaute mir die europäische Berichterstattung über die USA an und erfuhr, wie man Amerikaner im Ausland wahrnimmt. All diese Eindrücke verdichteten sich nach und nach, gaben der Platte ihre Themen und ihren Beigeschmack. So ist sie insgesamt wohl ein kleines Buch geworden, ein Buch voller Fragen und Beobachtungen."
Ob es nun das an ein Geständnis erinnernde "Lifetimes" oder das herausfordernde "Letter to God" ist - Crows Texte gehen stets unter die Haut. Wo ihr Vorgängeralbum C’Mon C’Mon eher eine Hommage an klassischen Rock aus den sechziger und siebziger Jahren war, präsentiert sich Wildflower mit ganz anderen Klanggewändern, und doch kehren manche der Songs zur Quintessenz der Rockmusik aus dieser Ära zurück. "Sowohl der Titelsong als auch 'Where Has All The Love Gone´ sind - für mich zumindest - die Eckpfeiler dieser Platte", erzählt Crow. "Beide artikulieren die Idee, dass wir alle Macht haben, und dass wir unsere innere Unschuld wiederfinden müssen, wie auch die Kraft, um stets mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Ich habe den Eindruck, dass alles - egal ob es sich um Musik oder Politik handelt - in den vergangenen Jahren in eine Art Tiefschlaf gefallen ist."
Produziert wurde das Album von Crows alteingesessenen Kollegen Jeff Shanks und John Trott ("Ich wollte die Produktion nicht selbst übernehmen - das ist mir zu viel Arbeit!"), und sie berichtet, dass es mit Abstand die angenehmsten Aufnahme-Sessions ihrer gesamten Karriere waren: "C’Mon C’Mon war eine Platte, deren Aufnahmen schwierig waren. Ich wurde 40, die Musik veränderte sich, alle haben sich plötzlich nur noch für Britney und Christina und massenweise Beats interessiert, und ich musste wirklich dafür kämpfen, in dem Klima etwas Bedeutsames auf die Beine zu stellen. Mir war klar, dass ich dieses Gefühl nicht noch einmal haben wollte."
Playlist
01. I Know Why
02. Perfect Lie
03. Good Is Good
04. Chances Are
05. Wildflower
06. Lifetimes
07. Letter To God
08. Live It Up
09. I Don't Wanna Know
10. Always On Your Side
11. Where Has All The Love Gone
12. Wildflower
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