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CD Kritik vom 14.10.2005

Rev Run: Distortion

Rev Run: Distortion | CD Kritik
Rev Run
Distortion

Comeback geglückt

HipHop-Pionier, Legende, Priester. Reverend Run kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Denn zusammen mit zwei Freunden aus Hollis, Queens gründete er Anfang der Achtziger eine der ohne Zweifel einflussreichsten und bekanntesten Gruppen im HipHop: Run-DMC. Ihre ureigene Methode, schnörkellose HipHop-Beats mit harten Rockgitarren zu mischen, bescherte ihnen nicht nur die ersten Gold- und Platin-Platten und die erste MTV-Rotation der Rapgeschichte, sondern legte auch den Gundstein für den erfolgreichen Rock-Rap-Crossover von Bands wie Rage Against The Machine oder Limp Bizkit.

1983 traten Run (Joseph Simmons), DMC (Darryl McDaniels) und Jam Master Jay (Jason Mizell) mit der Single "Sucker MC's" auf Profile Records erstmals ins Licht der Öffentlichkeit. Dieses rohe, auf Beats und Rhymes reduzierte Stück Musik setzte sich deutlich von dem bislang dominanten, von Disco und Funk beeinflussten Party-Rap à la Sugarhill Gang und Grandmaster Flash ab - mit Run-DMC begann eine neue Ära im Rap, die OldSchhool machte der NewSchool Platz. Die darauf folgenden Singles, etwa "It's like that" oder "Hard Times", landeten alle in den R&B-Top 20 der Billboard-Charts - noch bevor ihr wegweisendes, selbstbetiteltes Debütalbum erschien.

Als 1988 "Tougher Than Leather" erschien, hatte sich die Rap-Welt entscheidend verändert: Public Enemy gaben mit ihren kompromisslosen, politischen Raps den Ton an, auch fehlten Run DMC die großen Hits, dennoch erreichte das von dem gleichnamigen Film flankierte Album locker Platinstatus. Dem Nachfolger "Back From Hell" war kein derartiger Erfolg beschieden: Die Verkäufe hielten sich in Grenzen und Gerüchte um Runs angebliches Alkoholproblem machten die Runde - Run DMC schienen auf einen empfindlichen Karriereknick zuzusteuern.

1993 war wieder alles in Ordnung im Hause Run DMC: Run und DMC hatten ihre persönlichen Probleme aus der Welt geschafft, beide traten 1993 als wiedergeborene Christen und mit neuem Album in Erscheinung. "Down With The King" beeindruckte mit dem gleichnamigen Hit aus der Feder von Top-Produzent Pete Rock und einer Gästeliste, die alles, was damals Rang und Namen hatte, versammelte: Public Enemy, Naughty by Nature, A Tribe Called Quest, Neneh Cherry und KRS-One untermauerten den noch immer legendären Status der Crew.

2005: Reverend Run ist zurück. Erstmals solo, mit Priesterkragen, einer eigenen Reality-Show auf MTV ("Run's House") und vor allem einem neuen Album: "Distortion". Ein Massiv von einem Album, ohne ellenlange Faeturelisten, ohne Zugeständnisse an derzeitige HipHop-Trends, dafür Joey Simmons in Reinform: "Ich wollte einfach keine NewSchool-Sounds verwenden Also hört man da auch weder Timbaland noch Pharrell, nur mich und meinen Produzenten Whiteboy. Ich habe auch keinen A&R nach seiner Meinung gefragt, ich habe einfach darauf gewartet, dass Gott mir ein Zeichen gibt, in welche Richtung ich gehen soll." Herausgekommen ist dabei ein Werk im Stile früher Run-DMC-Alben, komplett mit harten Drums und Scratches, röhrenden Gitarren und einem Rapper, der vor Energie geradezu zu bersten scheint - wer "Raising Hell" mochte, wird "Distortion" lieben. Oder wie Russell Simmons sagt: "The music on 'Distortion' is honest; it's creative, special and refreshing. My brother's still got it!"

Playlist:

01. I Use To Think I Was Run
02. Home Sweet Home
03. Boom Ditty
04. Breaktime
05. High And Mighty Joe
06. The Way
07. Don't Stop Y'All
08. Mind On The Road
09. Take A Tour
10. Distortion
11. Behind The Scenes
12. Mind On The Road

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