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CD Kritik vom 12.10.2005

Tiger Lou: The Loyal

Tiger Lou: The Loyal | CD Kritik
Tiger Lou
The Loyal

Auch zum Zweiten wunderbar

Mit seinem Zweitling schlägt der 25-jährige Schwede Rasmus Kellermann erneut tiefgründige Popwege ein und spinnt die Geschichte von Is My Head Still On? gekonnt weiter ohne sich zu wiederholen.

Es gibt Debüt-Alben, die schließt man sofort in sein Herz. Hört sie zu jeder sich bietenden Gelegenheit, jeglichen Anlässen bzw. Gemütszuständen und nimmt sie in seine imaginäre Liste der All-Time-Favourites mit auf. Und irgendwie ist man auch ein wenig stolz darauf wenn es sich dabei um einen Interpreten handelt den sonst vielleicht nur wenige kennen, und den man ansonsten auch nur einigen wenigen Freunden empfehlen oder gar schenken würde.

Zumindest letzteres passiert mir nun eher selten. Wenn mir ein Album gefällt, erfahren dies gleich einige hundert Menschen – ob sie das nun wollen oder nicht – und sagt die Rolle des Förderers im kleinen Kreis, der einem Künstler sozusagen ins Publikum wirft ehrlich gesagt auch viel besser. Tiger Lou – man wird es mittlerweile erraten haben – ist ein solcher Künstler. Gerade mal 23 Jahre alt stellte Rasmus Kellerman vor zwei Jahren mit Is My Head Still On? eine interessante Frage, die es mit seinen darauf befindlichen zehn Titeln mutmaßlich zu beantworten oder sich selbst stellen zu galt.

Mit The Loyal hingegen geht der gebürtige Schwede andere Wege. Musikalisch zwar nicht weit entfernt von seinen anfänglichen Pfaden, klingen die 13 neuen Titel jedoch noch etwas tiefer, bohrender und vielleicht sogar ätherischer, was sich jedoch einzig auf längeren Flächen begründet. Ansonsten macht Herr Kellermann nach wie vor ganz wunderbare leicht federnde bis schwergängige Gitarren-Popsongs, mit Einflüssen die von The Clash bis Hoobastank reichen und immer kurz vor dem "Abrocken" Halt machen.

Tiger Lou ist ein Leisetreter, ein Hans-Guck-In-Die-Luft ein tapferes Schneiderlein und ein nachdenklicher Beobachter wie lautstarker Nachhaker gleichermaßen. Nicht genug der intelligenten Texte, auch (fast) jedes Instrument wurden diesmal wieder von ihm persönlich eingespielt, als würde er den Definitions-Wert von Indie-Pop vor allem auf die darin beschriebene Unabhängigkeit legen. Kurzum: Ein wunderschönes Album und der nächste Anwärter für die All-Time-Favourites-Liste.

Playlist:

01. Woland's First 00:14
02. The Loyal 05:35
03. Patterns 03:03
04. Functions 03:14
05. Until I'm There 04:11
06. Nixon 03:09
07. National Ave 02:47
08. Ten Minutes To Take Off 04:13
09. Albino Apparel 03:05
10. Like My Very Own Blood 04:05
11. All I Have 03:55
12. Days Will Pass 03:43
13. Woland's Last 05:38

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