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Vollendung der Werkschau
Witt im dritten Zyklus seines Lebenswerkes: "Bayreuth 3" kommt nach dem Album "Pop" und einer langen Phase des Grübelns, des Herausfilterns fundamentalischem Gedankenguts. Fünf Jahre sind seit "Bayreuth 2" vergangen und sieben seit dem Beginn dieser eigenen ausdrucksstarken Musikpopkultur.
Witt fängt den Schuss mit seinem Gehirn in der Keimzeit der Einheit und artikuliert dabei Fragen zur Globalisierung und Deutschsein. "Bayreuth 3" war geplant, kein Notbehelf aus Mangel an musikalischen Beweisen. Man möchte beinahe sagen, Joachim Witt vollende hiermit sein Lebenswerk. Aber dann käme nichts mehr, doch Witt wird nie aufhören, seine Sicht der Dinge in die Boxen dieser Welt zu tragen.
Mit der dritten Ausgabe seines Epos sieht Witt die ersten Lichter am Horizont des musikalischen Schaffens. Kraftvoll geht er 13 Wege, die vor Emotionalität sprühen und keinen müden Abklatsch der bisherigen zwei Teile spüren lassen. Mit "Wo versteckt sich Gott?" etwa ist ihm ein erbarmungsloser Brückenschlag zwischen einprägsamem, beinahe melodischem Elektropop und wummernden Rockriffs geglückt. Für "Abendrot" holte sich Witt Tilo Wolff von Lacrimosa ins Studio und ans Mikro.
Wenn man Bayreuth 1 bis 3 als Gesamtwerk betrachtet, verabschiedet man sich schnell vom Gedanken von je einem Tophit pro Album. Sicher, ein Song wie Die Flut aus dem ersten Bayreuth schreibt sich nicht alle Tage. So gesehen darf man auf dem aktuellen Album keinen Nachfolgehit erwarten. Aber wie kann man es einem Künstler schon je recht machen? Gibt es ein Charthit, ist er Mainstream, gibt es keinen, ist er out? So leicht darf man es sich nicht machen. Witt ist immer noch ein provokanter Goldener Reiter zwischen den Stühlen und ein Berserker des guten Geschmacks. Mit "Bayreuth 3" geht es nach dem schwächlicheren zweiten Teil musikalisch aber wieder straight bergauf.
Die Plattenfirma erklärt sich "Bayreuth 3" aus einer konzeptionellen Komplexität heraus, deren Schlüssigkeit untrennbar mit der persönlichen Entwicklung Joachim Witts verbunden ist. Somit dürfte sich Witt derzeit auf einem selbstgeschaffenen Zenith befinden, von dem es aber immer noch einen Weg nach unten geben kann.
Playlist
01. Dämmerung
02. Ahhh!!!
03. Menschen
04. Wem gehört das Sternenlicht?
05. Schmutz
06. Wo versteckt sich Gott?
07. Abendrot (Duett mit Tilo Wolff/Lacrimosa
08. Neuland
09. Hundert Leiber
10. Die Macht
11. Tiefenrausch
12. Ich spreng den Tag!
13. Tief in der Tiefe
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