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CD Kritik vom 28.04.2006

Cesaria Evora: Rogamar

Cesaria Evora: Rogamar | CD Kritik
Cesaria Evora
Rogamar

Fast unbekannt trotz Millionenverkäufen

Die Grammy-Gewinnerin Cesaria Evora ist eine Gleichung mit mehreren Unbekannten. Weil Geheimnisse ein Rätsel bleiben, hat sie fast fünf Millionen Alben weltweit verkauft, obwohl ihr einst eine Zukunft vorhergesagt wurde, nach der ihr nur kurz ein Platz an der Sonne beschieden sei. Seit 1988, dem Jahr, in dem La Diva aux Pieds Nus (''Die barfüßige Diva'') erschien und sie erstmals im Westen bekannt wurde, ''habe ich meine Verpflichtungen erfüllt'', sagt sie. Gründlich, können wir hinzufügen, und ist dabei auch noch ganz die Herrin ihres eigenen Schicksals geblieben. 

Cesaria Evora singt portugiesisch. Sie hat in Frankreich eine weitere Basis für ihre Karriere geschaffen, da ihr Produzent José Da Silva dort lebt, doch sie ist ebenso tief afrikanisch. So verwendet ihr neues Album ''Rogamar'' Musik von Ray Lema, um an die Kolonialvergangenheit Afrikas zu erinnern: São Tomé Na Equador, eine weitere Insel unter portugiesischer Herrschaft, eine Zwangsarbeiterbastion, wie vorher in Sodade beschrieben. Sie ist nicht sehr weit von der Avenida Marginal entfernt, der Küstenstraße entlang der Bucht von Mindelo nach Senegal. Ismaël Lô, die Stimme des senegalesischen Folk, unternahm die Reise für Africa Nossa, eine panafrikanische Hymne – unser Afrika, ''Wiege der Welt, fruchtbarer Kontinent''. Außerdem kam der Madegasse Régis Gizavo mit seinem Akkordeon vorbei.

''Rogamar'' zollt dem Talent von Fernando Andrade, besser bekannt als Nando, Tribut. Nando ist seit 1999 Cesarias Pianist und verleiht dem Album seine heitere, tropische Melancholie. Auf sechs der 15 Stücke ist Jaques Morelenbaum zu hören, ein außergewöhnlicher brasilianischer Cellist, Arrangeur und Klanggestalter. Gitarren, Klavier, Violinen und eigenartige Rhythmen. Tausende von Unbekannten liegen unter den offensichtlichen Ähnlichkeiten. Da Cesaria Evora jetzt ein Studio in Mindelo gehört, konnte sie mit örtlichen Musikern arbeiten. Die batucada, das Perkussionsensemble der Insel São Vicente, verfügt über einen ganz besonderen Schlagzeugrhythmus, der hier zu hören ist.

Playlist:

01. Sombras Di Distino
02. Um Pincelada - En Duo Avec Cali
03. Avenida Marginal
04. Africa Nossa - en duo avec Ismaël Lô
05. Tiche
06. Sao Tomé Na Equador
07. Rogamar
08. Amor Et Mar
09. Modje Trofel
10. Rosie
11. Travessa De Peixeira
12. Mas Um Sonho
13. Mar Nah Confidente
14. Saiona D'Vinte Ano
15. Vaga Lenta

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