Star oder Kleinstadtfriseuse?
Jeanette Biedermann scheidet die Geister: Die einen halten die zierliche Berlinerin, die ihre Karriere in der RTL-Soap ''Gute Zeiten, schlechte Zeiten'' begann, für eine der besten deutschen Sängerinnen und nennen sie auch schon mal die ''deutsche Britney Spears''. Für die anderen ist sie einfach nur ein junges Ding mit dem Charme einer Kleinstadtfriseuse. Was auch immer man denken mag: Jeanette gehört zu den erfolgreichsten Sängerinnen aus Deutschland, geht man mal von den Verkaufszahlen aus. Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten...
Das neue Album mit dem Title ''Naked Truth'' ist der insgesamt sechste Longplayer von Jeanette Biedermann. Ein Großteil der Songs entstand in den USA, nachdem sich Jeanette im Herbst 2005 überraschend aus Deutschland absetzte und samt Freund die Zeit lieber in Los Angeles verbrachte. Der Titel ''Naked Truth'' ist sicher nicht ohne Absicht gewählt, schließlich versucht sich Jeanette erstmals als Texterin. Was sie singt, sollte also ehrlich sein und in der Tat das ausdrücken, was sie wirklich fühlt. Das gibt dem Album natürlich ein gewisses Maß an Echtheit.
Die erste Single ''Bad Girls Club'' ließ schon einen Vorgeschmack zu und man kann durchaus erkennen, dass die Künstlerin sich verändert hat. Sound, Arrangement und Komposition aller Songs auf ''Naked Truth'' klingen anders als bisherige Werke von Jeanette. Gleichzeitig zieht sich jedoch, vor allem durch die Stimme, ein traditioneller roter Faden durch die CD. Man erkennt Jeanette also durchaus beim ersten Hören wieder. Allerdings ist es hier und das gewöhnungsbedürftig.
Künstler müssen sich weiterentwickeln und Jeanette Biedermann stellt da keine Ausnahme dar. Es bleibt abzuwarten, ob die ''neue Jeanette'' ebenso gut mit ihrem neuen, abgewandelten Sound punkten kann oder ob sich die Fans anderweitig orientierten. Denn klar ist: Obwohl es sich hier nicht um eine der ernsteren Varianten der Popmusik handelt, ist die Konkurrenz grade in diesem Bereich besonders stark.

