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Aufstrebender Nachwuchs
Till Brönner als den emporstrebenden deutschen Nachwuchstrompeter schlechthin zu bezeichnen ist mittlerweile längst hinfällig, da er mehr Platten verkauft haben dürfte als jeder andere deutsche Jazztrompeter. Er spielt nun in der internationalen Oberliga mit und pflegt Kontakte zur New Yorker Jazzszene, die ja bekanntlich den Weltmarkt bestimmt. Einfach ist gar nicht so schwer, sollte man meinen. Aber ''Einfachheit ist ein Resultat der Reife'', laut Schiller, und damit schon nicht mehr ganz so harmlos. Denn diese reife Einfachheit ist erfahrene Unkompliziertheit. Sie ist eine Konzentration auf das Wesentliche und deshalb eines der erstrebenswerten Ziele des fortschreitenden Menschwerdens. Till Brönner, bald 35-jähriger ''Star-Trompeter'' und einer der vielseitig umtriebigsten Künstler im europäischen Musikgeschehen, hat einen enormen Grad der Reife erreicht, der sich jetzt in der essentiellen Klarheit seines neuen Albums ''Oceana'' zeigt.
Auch die Stimmen der geladenen Gäste klingen, als hätten sie nur auf diese Songs gewartet. Carla Bruni, das singende Supermodel aus Frankreich, säuselt einen tragisch-schönen Leonard Cohen-Song. Madeleine Peyroux leidet auf ihre unvergleichlich berührende Art und Weise mit Hank Williams' ''I'm So Lonesome I Could Cry''. Luciana Souza, mehrfach Grammy-nominierte Brasilianerin, beseelt Edu Lobos ''Pradizer adeus''. Und auch Till Brönner selbst singt, reifer und ergreifender denn je, ''River Man'', den Klassiker von Nick Drake.
Über und vor allem spielt Till Brönner auf ''Oceana'' Trompete. Mal mit, mal ohne Dämpfer, immer mit dieser unverwechselbaren, berührenden Seelenkraft - ebenso großartig einfach wie einfach großartig. Begleitet von einem Orgeltrio um Larry Goldings, ab und an auch im Zusammenspiel mit der Jazzlegende Gary Foster am Saxophon, erschafft er seine schlüssige, bessere Musikwelt. Dabei klingt Brönners Trompete so warm und klar, dass sich die Gesangsgäste und Instrumente wie zu einem Promenadenspaziergang dazugesellen, um sich danach im nahe gelegenen Straßencafé wieder zu verlieren. Man taucht ein in ''Oceana'', schwebt und schwimmt durch diese weiten Klangräume, diese herrlichen Melodieströme, die Till Brönner und seine neuen Freunde so gekonnt und voll versierter Leichtigkeit erspielen. New York war Jazz für den Kopf, Hollywood ist Jazz für die Seele. Schon bei den ersten Takten von Wes Montgomerys ''Bumpin''' fühlt man sich wohl, um beim letzten Lied, der Brönner/Klein-Ode ''Tarde'', zu wissen, wie gekonnt und gereift, wie einfach und essentiell Musik sein kann und soll.
Playlist
01. Bumpin'
02. Love Theme From Chinatown
03. In My Secret Life (Vocal: Carla Bruni)
04. The Peacocks
05. I'm So Lonesome I Could Cry (Vocal: Madeleine Peyroux)
06. Subrosa
07. Pra dizer adeus (Vocal: Luciana Souza)
08. It Never Entered My Mind
09. River Man (Vocal: Till Bönner)
10. Danny Boy
11. A Distant Episode
12. Tarde
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