Fan von Pooltrax bei Facebook werden
Pooltrax bei Twitter folgen
Pooltrax RSS Feed abonnieren
CD Kritik vom 21.07.2006

James Dean Bradfield: The Great Western

James Dean Bradfield: The Great Western | CD Kritik
James Dean Bradfield
The Great Western

Musikalische Denkschrift

James Dean Bradfields Debütalbum ''The Great Western'' zeigt sich ebenso als verspätete Absichtserklärung wie auch als eine heroische musikalische Denkschrift, in der eingängige Klangspielereien im Stil des 1996er Manic Street Preachers-Longplayers ''Everything Must Go'', der wasserdichte Punkrock von ''The Holy Bible'' (1994) sowie die begierige Lebenslust, die bereits auf dem Manics-Debüt ''Generation Terrorists'' (1992) zu spüren war, luftdicht in elf selbstbewussten, passionierten und zeitgemäßen Rock-Tracks verpackt sind. Ganz bewusst sei der größte Teil des Werks in kleinen Studios aufgenommen werden: Zum einen im Ost-Londoner Stadtteil Hoxton und zum anderen in Cardiff (wo die Manics bereits ''The Holy Bible'' produziert haben). Vor allem die verhüllte, düstere Qualität und die Spur Siebziger-Jahre machen Aufnahmen in kleinen Räumen für James interessant.

Und auch die Lyrics des Soloalbums präsentieren mit James Dean Bradfield einen ehemaligen Manic Street Preachers-Sänger, der sich selbst so offenbart wie nie zuvor. Es ist natürlich nicht das erste Mal, dass der Manics-Frontmann einen Text im Alleingang verfasst: ''Ocean Spray'', viel gelobte Single des Albums ''Know Your Enemy'' (2001), stellt eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod seiner Mutter dar. Nach einer so extremen Erfahrung war er jedoch nicht besonders heiß auf eine baldige Wiederholung. Er sehe diese Erfahrung nicht unbedingt als eine Art Therapie an, so James, ''Diese Texte entstanden vielmehr aus der Stimmung des Todes heraus und danach konnte ich lange nichts anderes mehr schreiben.''

Die Synthese zwischen dem ''Rockstar'' James aus dem Westen Londons und James, dem Working-Class-Bengel aus dem walisischen Blackwood, bildet das Fundament von ''The Great Western'', was vor allem in dem Song ''Which Way To Kyffin'' Ausdruck findet: Eine Hommage an den Künstler Kyffin Williams, der als Englands größter (noch lebender) Landschaftsmaler gilt. ''Letztes Jahr war ich in West-Wales'', erzählt James, ''und mir wurde klar, dass ich nicht nach London zurück wollte. Ich habe mich richtig dagegen gesträubt. Ich wollte mich einfach auf den Weg machen, um Kyffin Williams zu finden. Sofort los nach Nord-Wales, die drei Stunden fahren und mich dort selbst in eine Landschaft hineinmalen, um dann nie wieder weg zu müssen. ''Fast metaphorisch habe ich versucht, wie es auch im Chorus heißt, mich in einem anderen Leben zu zeichnen, so dass es den Anschein hat, dass ich im Bild gefangen bin und es nie mehr verlassen muss.'' Diese selbstreflexiven Anflüge bedeuten aber keineswegs, dass James von seinem vertrauten Weg abgekommen ist, bei dem politische Devisen immer eine wichtige Rolle gespielt haben: So kritisiert zum Beispiel die erste Single ''That's No Way To Tell A Lie'', dass Religionsorganisationen nichts gegen den AIDS-Virus unternommen haben, der sich in Afrika immer weiter ausbreitet, und auch die Message von ''To See A Friend In Tears'', der einzigen Coverversion des Albums und eine hinreißende Umsetzung von Jacques Brels Original, geht weit über die inhaltlichen Grenzen des Songs hinaus. ''Mir hat einfach gefallen, wie der Song die Debatte über die Lage nach dem Irak-Krieg vorwegzunehmen scheint. Er stammt aus einem Krieg, der in Hinblick auf seine moralischen Urteile deutlich stabiler war. Der Song entstand in den Sechzigern und handelt vom Zweiten Weltkrieg, aber er kommt zu demselben Schluss.''

Überraschenderweise hat der musikalische Alleingang des Manics-Sängers die Zusammengehörigkeit der Gruppe sogar gekräftigt: ''Nach der ersten Session, die ich alleine gemacht habe, und die, soweit ich mich erinnere, nicht besonders erfolgreich war, wurde mir bewusst, dass – es klingt zwar schmalzig - eine Art Telepathie zu den Personen existiert, mit denen ich aufgewachsen bin und mit denen ich Musik mache seit ich fünfzehn bin. Das werde ich nie wieder als etwas Selbstverständliches sehen, so etwas ist unersetzbar.

Playlist:

01. That's No Way To Tell A Lie
02. An English Gentleman
03. Bad Boys And Painkillers
04. On Saturday Morning We Will Rule The World
05. Run Romeo Run
06. Still A Long Way To Go
07. Emigre
08. To See A Friend In Tears
09. Say Hello To The Pope
10. The Wrong Beginning
11. Which Way To Kyffin

Dir gefällt diese Seite? Dann verpass auch in Zukunft keine Neuigkeiten mehr und werde unser Fan bei Facebook oder folge uns bei Twitter. Diskutiere über das Thema dieser Seite in unserem Musik Forum oder informiere dich über aktuelle CD Neuerscheinungen, DVD Kritiken, Mp3 Downloads, Charts und viele andere Themen.
Du bist zurzeit auf den Seiten von Pooltrax, deinem Magazin für Musik, Charts und Mp3 und liest die CD Kritik "James Dean Bradfield: The Great Western". Mehr CD Kritiken und CD Neuerscheinungen aus der deutschen und internationalen Musikszene findest du übrigens auch in unserem großen Archiv.

Keine Neuigkeiten mehr verpassen!

TraxBox Download
Lass dir ständig aktuelle Neuigkeiten auf deinem Bildschirm einblenden - zu jeder Zeit, kostenlos und ohne Registrierung, kinderleicht und schnell installiert.

Hier geht's zum Download der aktuellen TraxBox
Du liest » James Dean Bradfield: The Great Western « CD Kritik