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CD Kritik vom 18.08.2006

Kira: Goldfisch

Kira: Goldfisch | CD Kritik
Kira
Goldfisch

Das Gegenstück zum Vorgänger

Zuerst fällt sie fast gar nicht auf, dann so ganz allmählich aber richtig. Sitzt im Café in der Hamburger Schanze, nippt am Latte Macchiato, der hier gar nicht aussieht wie ein Trend-Getränk, trägt Sweatshirt, kurze Haare und guckt nicht sehr oft hoch vom Tisch. Wenn sie's aber tut, lässt einen das markante Gesicht, lassen einen vor allem die Augen nicht mehr los. Sie fahnden im Raum umher, nach interessanten Dingen und Begebnissen. Ihnen entgeht nicht viel, sie vermitteln trotzdem kein Gefühl des Beobachtetseins. Kira lächelt, très charmant.

Das gefürchtete zweite Album ist im Kasten, und es ist sehr anders als das erste geworden. ''Für mich'', sagt Kira, ''sind diese zwei Alben wie zwei komplett verschiedene Welten, die fast gar nichts miteinander zu tun haben. Beiden liegt ein ganz und gar unterschiedliches Lebensgefühl zugrunde.'' Dann nippt sie wieder am Kaffee, lächelt vielsagend und geheimnisvoll, ''ja, genau. Das erste Album war ein Destillat aus vier, fünf, sechs Jahren, es war voller Fragen und Zweifel, und außerdem war es ein schwerer Prozess, es überhaupt heraus zu bringen.''

Schon in dieser Hinsicht ist das leise skurril ''Goldfisch'' betitelte, zweite Werk praktisch ein Gegenstück seines Vorgängers. ''Das Ganze wurde geschrieben und produziert innerhalb eines halben Jahres, mir kommt es deshalb wie ein Schnappschuss vor.'' Noch dazu einer mit gänzlich unterschiedlichen Motiven, ''mein Lebensgefühl ist heute ein anderes. Ich fühle mich viel sicherer, weiß genauer, was ich will , wer ich bin – und bin weit vielseitiger geworden.''

Zum Glück, denn Kiras gewachsenes Selbstbewusstsein hört man jedem ihrer neuen Songs an. In wunderbar lakonischer Sprache, mal um kleine Ironismen, zuweilen auch um sachte Romantik bereichert, singt die Hamburgerin von ihrer Liebe und detailverliebten Beobachtungen am Lebenswegesrand, bis Hörerin und Hörer lächelnd nicken beim Déjà-Vu. So gar nichts Artifizielles haben ihre Verse, niemals erwischt man sich dabei, übers Ziel hinaus zu deuten.

Playlist:

01. Deine Leine
02. Wenn du den Himmel nicht aufmachst
03. Nie zu Hause
04. Wenn die Sonne schräg steht
05. Rettungsboot
06. Shakespeare
07. Fast wie Sommer
08. So wie jetzt
09. Sicher bist du
10. Goldfisch
11. Wir sind mehr

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