Zwischen Gegenwart und Vergangenheit
Vladimir Godár gilt als einer der wichtigsten Musikologen der Slowakei und war 1991-96 Herausgeber einer Slowakischen Musikzeitschrift. Für seine Werke erhielt er zahlreiche nationale Preise und hat sich darüber hinaus einen Namen als bedeutender Filmkomponist gemacht. Vladimír Godár wurde in seiner Heimatstadt zunächst in Zwölftontechnik und seriellen Kompositionsverfahren ausgebildet. Doch dann entdeckte er die Alte Musik für sich.
"In den siebziger Jahren entstanden bei uns eine ganze Reihe von Ensembles, die sich der historischen Aufführungspraxis verschrieben", sagt Vladimir Godár. "Ich spielte damals viel Continuo, zunächst am Klavier, später am Cembalo. Das waren wichtige Momente meines musikalischen Lebens. Aus diesen Verbindungen ging später das erste bedeutendere slowakische Barock-Ensemble, Musica aeterna, hervor, in dem auch der Geiger Miloš Valent seine Karriere begann."
Das neue Werk "Mater" integriert ganz bewusst Elemente existierender Texte, seien diese nun verbaler oder musikalischer Natur: Die Zwischenspiele der alten slowakischen Wiegenlieder lehnen sich an Renaissance-Kompositionen für Gamben-Consort an, das "Magnificat" basiert auf der traditionellen Intonation, wie sie sich etwa in Monteverdis "Marienvesper" findet. "Regina Coeli" ist dem Musiziergestus der frühen Alte-Musik-Bewegung in der Slowakei nachempfunden. Und die Gesamtordnung von "Mater" ist angeregt von einer Kurzgeschichte des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal.

