Mit der Entspannung übertrieben
Lucinda Williams kommt aus Louisiana und macht Country und so genannten Roots Rock. Bereits seit Ende der 1960er Jahre ist die 1953 geborene Songwriterin aktiv, konnte aber erst 1988 den großen Durchbruch schaffen. Damals ging sie nach Los Angeles und unterschrieb einen Plattenvertrag beim Independant-Label Rough Trade. Seitdem ging es relativ steil bergauf. Bisheriger Höhepunkt war 2002 die Auszeichnung als beste Songwriterin der USA, die Lucinda Williams vom Time-Magazin verliehen wurde.
So kam Lucinda Williams auch zu ihrem Spitznamen: "Weiblicher Bob Dylan", und da ist was dran, denn ähnlich wie Bob Dylan besticht Williams durch ruhige und entspannte Musik, bei der man sich bildlich vorstellen kann, wie ein Südstaaten-Farmer auf seiner Veranda sitzt und sich den Kautabak schmecken lässt. Möglicherweise auch eine Farmerin, wer weiß das schon? Entspannt ist ein gutes Stichwort, denn auch auf ihrem neuen Longplayer "West" zeigt sich Lucinda Williams von ihrer relaxten Seite - ganz so eben, wie es das Genre verlangt. Für den popverwöhnten Hörer ist das aber leider einfach zu relaxt.
Wie bereits gesagt, das Genre verlangt halt eine gewisse Ruhe, fließende Songs und tiefgründige Texte. Ein bisschen mehr Schwung hätte an manchen Stellen aber sicher keinen Abbruch getan. So leiert Lucinda Williams mit "West" so vor sich hin und bietet wirklich nur Musik für Puristen des Genres. Ob solche Musik in Deutschland überhaupt gehört wird, das wissen wir auch nicht so richtig. Muss aber wohl so sein, denn für alles gibt es ja Fans - sicher auch zahlreiche von Lucinda Williams. Die sind von der neuen Platte sicher erfreut, was den Rest angeht... abwarten.

