Eindeutig zu sphärig
Radiohead musizieren bereits seit 1986 und gelten als einer der Vorreiter des heutigen Britpop, der viele Bands in England zu Superstars machte. Besonders interessant bei Radiohead ist die Geschichte um die frühe Erfolgssingle "Creep". Der Song konnte sich in vielen Charts der Welt über mehrere Monate in den Charts halten. Obwohl so beliebt, weigerte sich die Band später, den Song live zu spielen, weil man fürchtete, der textliche Inhalt könnte zu Kontroversen führen. Nachdem Radiohead sich so lange Zeit selbst boykottierten, spielen sie den Song nun wieder regelmäßig, was bei den Fans immer wieder zu Freudenausbrüchen führt.
Aber werfen wir einen Blick in die Gegenwart und auf das neue Album "Airbag/How Am I Driving?", das Ende April erscheint. Album? Ja, obwohl nur mit sieben Songs normaler Länge ausgestattet, bezeichnen Radiohead das aktuelle Werk als Album, auch wenn man lieber von einer EP sprechen sollte. Ansichtssache. Musikalisch gesehen erwartet den Hörer ein interessantes Album, das mit Britpop nicht mehr so richtig viel am Hut hat. Bei den teilweise sehr sphärischen Klängen in Songs wie "A Reminder" oder "Meeting In The Aisle" fragt man sich eher, ob Radiohead eine Kooperation mit Frankreichs Elektro-Star Jean Michel Jarre eingegangen sind. Musik zum Entspannen also, mit reichlichen Einflüssen aus der Synthie-Ecke. Das geht zwar nicht das ganze Album so, aber doch einen beträchtlichen Teil.
Zum Glück erinnern andere Songs wie "Polyethylene (Parts 1 & 2)" wieder an gewohnte Klänge, obwohl hier leider etwas gejault wird. Schwer zu ertragen, könnte man meinen. Mag sein, aber sieht man sich das Gesamtkonzept an, dann ist die neue Platte von Radiohead durchaus wieder als neue musikalische Entwicklung ernst zu nehmen. Vorreiter waren sie ja schon einmal. Möglicherweise wiederholt sich die Geschichte.

