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Mehr mau als wow
Kinder der 90er, inzwischen auch schon fast volljährig, brauchen sicher eine kleine Einweisung. Also sei ihnen gesagt: Chris Cornell war schon vor seinem James Bond Song "You Know My Name" erfolgreich. Zwar nicht als Solo-Künstler, sondern in diversen Bands. Diese Zeit nannte sich Grunge-Ära, und der Onkel war der Begründer einer der Bands, die auf der Indie-Welle mitschwammen. Zugegeben, das klingt etwas blasphemisch, ist es wahrscheinlich auch. Denn Soundgarden waren alles andere als Mitläufer, und Chris Cornell als Sänger und Songwriter sicherlich begnadet. Auch mit seiner später gegründeten Alternative Rockband Audioslave erntete Cornell weltweit Anerkennung. Ende Februar diesen Jahres gab die Band dann ihre Auflösung bekannt. Grund dafür seien "musikalischer Differenzen und unüberbrückbare persönliche Konflikte".
Nachdem Chris Cornell überraschend den Zuschlag zur musikalischen Untermalung von "Casino Royal" erhalten hatte, setzte er froher Erwartung alles auf eine Karte und warf den Kritikern sein Album "Carry On" zum Fraß vor. Aber entweder, die hatten schon gefrühstückt, oder sie ließen es aus Respekt vor Cornells Laufbahn links liegen. All zu viel liest man wirklich nicht über die Scheibe, und wenn doch, fällt das Urteil eher mau aus. Diese Meinung soll hier noch einmal bestätigt werden, denn die Songs sind leider allesamt Mittelmaß und wenig einprägsam. Einzig und allein ein Lied sticht aus der Masse an schnödem Brav-Rock-Geschrabbel heraus, und das ist zu allem Übel auch noch ein Cover. Das aber hat es in sich - Chris Cornell versucht sich an Billy Jean, Michael Jacksons Kult-Klassiker aus den 80ern. Großer Song, großartig interpretiert. Vor allem deswegen, weil der 47-Jährige aus der Dance-Nummer eine absolut reduzierte Ballade gemacht hat, die sich erst auf den zweiten Blick entlarvt. Mehr Gefühl kann man in den Song einfach nicht einbringen, und allein dafür sollte sich der Kauf von "Carry On" lohnen.
Überhaupt sollte Chris Cornell eher auf ruhigere Songs umsteigen. Auch, wenn Audioslave Fans jetzt protestieren werden, aber seine Stimme lässt sich für ungeübte Ohren einfach nicht lange ertragen. Inbrünstige Schmachtsongs kommen eben einfach besser an, als mittelmäßige Rockkracher. Das driftet dann leicht mal in die Metallica-Schiene ab, und das hätte Chris Cornell sicher nicht gewollt. Wie dem auch sei, Aus gutem Respekt vor einem live sicher grandiosen Musiker: Das Album ist ganz ordentlich, aber Fans der Bond-Single sollten vor dem Kauf lieber vorher einmal reinhören. Bis dahin freuen wir uns auf eine Tour, und auf Billie Jean live.
Playlist
1. No Such Thing
2. Poison Eye
3. Arms Around Your Love
4. Safe and Sound
5. She'll Never Be Your Man
6. Ghosts
7. Killing Birds
8. Billie Jean
9. Scar On The Sky
10. Your Soul Today
11. Finally Forever
12. Silence The Voices
13. Disappearing Act
14. You Know My Name
15. Today
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