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Weniger wäre mehr
Lemar dürfte hierzulande höchstens durch seinen ersten und einzigen Hit "If There´s Any Justice In The World" bekannt sein. Allen Unwissenden helfen ein paar Rand Information zu dem Sänger, dessen Stimme zu Recht den Stempel "Ausnahme" tragen darf. Übrigens ebenso, wie seine Augen - aber das nur am Rande für die Vertreter des schwachen Geschlechts (oder die, die es werden wollen). Lemar begann seine Karriere als Support bei Auftritten von Usher und Destiny's Child. Seinen Durchbruch schaffte er 2002 mit der Teilnahme an der Castingshow Fame Academy des britischen Fernsehsenders BBC. Es folgte das Album "Time To Grow", sowie die oben genannte Single Auskopplung, mit dem er sich neben einer ganzen Menge Respekt auch den Titel "UK Act Of The Year" einheimste.
Lemar schafft es mit seiner Stimme tatsächlich, eingefleischte R´ n B Hasser und Soulverrückte ein wenig zusammenzurücken. Denn Lemar ist mehr eine Art moderner Stevie Wonder als einer dieser "ich kann super frasieren"-Gangster. Aber wie meistens, wenn da mal ein Individuum mit echtem Potential um die Ecke kommt, verheißt das nichts Gutes für die Produktion und Vermarktung. So leider auch im Fall von Lemar. Die Produzenten seines aktuellen Albums mit dem passenden Titel "The Truth About Love", setzen auf das altbekannte Thema. Ein paar Streicher, Backgroundsänger und fertig ist die Soulschiene. Warum um alles in der Welt werden heute eigentlich nur noch Konserven produziert?! Lemar könnte soviel mehr als das. Und er hat definitiv seine Anhängerschaft - die nebenbei sogar noch größer wäre, wenn er nicht ausschließlich in die eine langweilige Sparte gedrückt werden würde. Die entlockt auch jedem R´ n B-Freund allerhöchstens noch ein müdes Gähnen.
"Anniversary" zum Beispiel ist so spannend wie ne Stulle mit Bierwurst…schon 1000mal durchgekaut, und trotzdem langweilig. Eine so einnehmende Stimme braucht keine Background Sänger. Das zeigt sich vor allem bei Titeln wie "Tick Tock", der wunderbar reduziert daherkommt. Lemar im Gewand von Jack Johnson - bitte mehr davon. Und auch Balladen müssen nicht immer überladen sein - nicht bei einem Sänger wie Lemar, den man auch ganz allein auf die Bühne stellen könnte, oder sollte. Vielleicht erleben wir ja doch noch einmal eine Zeit, in der sich ein verrückter Produzent ein Herz fasst, und ihn ein Motown-Album einsingen lässt. Bis dahin hören wir einfach noch ein bisschen "If There´s Any Justice In The World", und freuen uns über ein bisschen Individualismus in der klebrigen Soullandschaft.
Playlist
1. Intro
2. Love Me or Leave Me
3. It's Not That Easy
4. Someone Should Tell You
5. Be Faithful
6. Tick Tock
7. Just Can't Live Without Each Other Love
8. Can't You See
9. When a Heat Is Broken
10. Caroline Reinhören
11. Let's Fall in Love (Interlude)
12. Anniversary
13. Beauty Queen
14. Your Face
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