Bekenntisse eines Käsebrotes
''...wir versuchen, Bedeutung in unsere Musik zu legen.''
''...das Internet wird der Musikindustrie nutzen!''
''...immer mal wieder etwas, das flasht!''
''...nur bei Scooter klappt das noch!''
Max Herre im Interview
Interview von 2005
Über HipHop, Fußball und Graffiti
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Sein Tourabschlusskonzert gab der selbsternannte Soulguerillero Max Herre Ende März im Lahrer Universal D.O.G. Dort plauderte er zuvor mit Kai Hockenjos für POOLTRAX.com ganz locker über die Wandlung des HipHop in Deutschland, Fußballclubs im Süden, freakige Freiburger Konzertveranstalter und überraschte mit Graffiti-Geständnissen.
POOLTRAX.com: Max, Deine erste Tour als Solo-Künstler, schildere uns ein paar Eindrücke!
Max: Es hat sich zu früher nicht so viel geändert, die Konstellation ist nur ne andere. Letztlich ist es genau die gleiche Arbeit, die ich mache, nur dass es nicht eine Konstellation ist, in der alles entsteht, sondern in verschiedene Teams, in denen ich arbeite. Wir sind sieben Leute auf der Bühne, es ist vom Vibe und vom Feeling aber sehr ähnlich, vor allem diese Tour, wo Afrob auch mit dabei ist.. Ich bin jetzt eben mit ner anderer Gruppe als Freundeskreis unterwegs
POOLTRAX.com: Dein Solo-Album stieg von Null auf Eins in die Charts, hast Du mit diesem Erfolg gerechnet?
Max: Gerechnet habe ich damit natürlich nicht. Gewünscht heimlich habe ich es mir, als es dann geklappt hat, war es schon eine sehr positive, große Freude und Überraschung.
POOLTRAX.com: Wie groß war die Nervosität vor dem Release, Du hast fünf Jahre nichts mehr veröffentlicht?
Max: Es ist immer ne kleine Nervosität davor da, aber nicht übermäßig. Man will, dass das Ding draußen ist, um zu wissen, woran man ist. Die Woche, wo die Platte rauskam, war Gentleman zuvor auf Platz Eins, das war dann sehr spannend, weil wir den Zweikampf hatten und das war für das ganze Umfeld und für FourMusic einfach toll, weil sie zwei Künstler am Start hatten, die sich da vorne die Hand reichen.
POOLTRAX.com: Wie hältst Du Dich während solch einer langen Tour fit?
Max: Wir machen viel Sport, wir haben fast in jeder Stadt ein Fitnessstudio, welches das Management für uns bucht und wenn wir lustig sind, gehen wir da hin und machen ein bisschen Workout. Letztes Jahr haben wir auch viel Fußball gespielt, jetzt war es bisher zu kalt.
POOLTRAX.com: Apropos Fußball, Dein Lieblingsverein?
Max: Ich bin schon immer ein VFB Fan, da gibt’s für mich nichts zu rütteln. Ich träum von der Champions League, zumindest von der Qualifikation und wenn wir zu Ende international spielen, sind wir gut bedient.
POOLTRAX.com: Der VFB und der SC Freiburg führen seit Jahren eine ''regionale'' Fehde aus. Nächste Saison spielt Freiburg wahrscheinlich zweitklassig, traust Du den sofortigen Wiederaufstieg der Truppe zu?
Max: Unbedingt, es wäre ja nicht das erste Mal! Ich fand Freiburg immer einen sehr sympathischen Verein, nicht zuletzt auch durch den Trainer Volker Finke. Ich habe diese Rivalität nie als solche empfunden. Fußballerisch ist der VFB ja auch auf einem ganz anderen Level und spielt seit Jahren konstant erste Liga.
POOLTRAX.com: Wie hast Du den Weggang Magaths vom VFB verfolgt?
Max: Bei Magath ging schon ein guter Wind durch die Mannschaft. Viele der jungen Spieler sind wegen ihm geblieben, haben lukrative Angebote ausgeschlagen und er nimmt das Angebot der Bayern an Das war auch jeden Fall kein guter Move von Magath. Ich finde es schön, dass Sammer wieder da ist, er ist der denkbar beste Ersatz.
POOLTRAX.com: Auf ''Esperanto'' bekamst Du vor fünf Jahren Kopfschmerzen, von zuviel Popkonserven''. In der Zwischenzeit hatten Formate wie DSDS ihre Hochzeit, wie siehst Du die momentane deutsche Musikszene?
Max: Ich seh' die Szene nicht so homogen, es gibt viele verschiedene Baustellen. Gerade gibt es einen wahnsinnigen Boom für deutschsprachige Rock/Pop-Musik. Ich finde es schade, dass durch diesen ganzen Effizienzwahn der großen Plattenfirmen viele Bands zum Opfer gefallen sind, die Potential. Was Rap angeht, hätte ich mir gewünscht, dass es sich einfach die letzten fünf Jahre anders entwickelt hätte, mehr musikalisch entwickelt hätte. Dann wäre es auch nicht so eine Spartenmusik geworden, denn das war es Mitte/Ende der Neunziger nicht, viele Leute haben Deutsch-Rap gehört
POOLTRAX.com: Auf ''zu Elektrisch'' fragst Du ''Was ist aus Rap geworden, wer will den Scheiße noch hören?'' Was ist daraus geworden, Max?
Max: Es gibt auf jeden Fall noch gute Leute, das will ich nicht bestreiten. Es ist eben einfach so, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung eine Monokultur ist. Den Erfolg von Aggro Berlin finde ich gerechtfertigt, weil sie es einfach clever angestellt haben. Schade finde ich nur, dass es derzeit das Einzige ist, was in der Öffentlichkeit eine Plattform bekommt. Früher war das anders, da hatte jede Stadt einen Repräsentanten, eine Schule und heute probiert selbst jeder Freiburger zu klingen, als wäre er aus einem heftigen Viertel aus Berlin.
POOLTRAX.com: Woran liegt das?
Max: Ich würde sagen, nach Eminem hat sich HipHop in Deutschland verändert, wie ich finde, nicht zum Positiven. Es war bis Eminem Black-Music und plötzlich war es Rap und es ging nicht mehr darum, sich musikalisch zu orientieren, sonder nur noch, sich inhaltlich zu orientieren. An White Trash, also der kompletten Enttabuisierung der Sprache und der Verantwortlichkeit von Sprache. Leute haben angefangen, sich nur noch darüber zu definieren, wer es wie weit unter die Gürtellinie schafft und letztendlich die Musik dabei vergessen. Jetzt bekommen sie die Quittung, weil es nicht mehr gekauft wird. die Kultur hat sich praktisch selbst ihren Boden weggezogen.
POOLTRAX.com: War es für dich deshalb auch wichtig, mit dem Battle-Rap ''Zu Elektrisch'' ein Zeichen zu setzen und deshalb dies als erste Single zu wählen?
Max: Ich hatte einfach Lust etwas zu tun, womit die Leute nicht rechnen. Und für die jungen Leute, die mich nicht mehr so auf dem Schirm haben, denen wollte ich damit sagen: Ihr macht das so lange und seid da Spezialisten drin, aber ihr müsst einfach in musikalischen Kategorien anfangen zu denken, dann werdet ihr auch gute MCs werden.'' Wenn nur in Attitude-Kategorien gedacht wird, werden die es nicht aufnehmen können mit der alten Generation, weil wir einfach auf einem anderen Level sind und Rap als Musik verstehen.
POOLTRAX.com: Ist die größte Anerkennung für dich als Musiker, wenn Deine Musik im Ausland, wo man die deutschen Texte nicht versteht, gespielt und gelobt wird?
Max: Absolut. Wenn die Sprache der Musik verstanden wird, ist dies natürlich sehr schön. Letztendlich geht es genau darum, ich bin ja Musiker und kein Schriftsteller.
POOLTRAX.com: Auf deiner Webseite können die User interaktiv eine Graffite E-Card erstellen. Ich habe just in der Freiburger Graffiti Szene recherchiert. Willst Du ihnen was zurufen?
Max: Ich kenne die Freiburger Szene leider nicht, aber ich finde es immer gut, wenn sich Leute treffen, kreativ werden und ihr Potential nutzen. Ich mag Graffiti wirklich gerne, dieses Tagen allerdings ist nicht mehr so mein Ding...
POOLTRAX.com: ...findet man denn in Stuttgart noch original Max Tags?
Max: Klar haben wir früher auch rumgetagt, aber draußen an Wänden wird man nichts mehr von mir finden. Auf irgendwelchen Toiletten wird man mein Tag bestimmt noch finden. Ich war aber nie ein Writer!
POOLTRAX.com: Können wir auf einen Auftritt von Dir beim diesjährigen Freiburger ZMF hoffen?
Max: Klar, gerne! Wenn ich wieder eingeladen werde von diesem witzigen Veranstalter, der mit seiner Mutter und Kappelle vorm Hotel auffährt - gerne.
POOLTRAX.com: Wir werden es ausrichten und danken Dir herzlich für das Interview!
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