Im August 2001 sind nach einer Analyse des Marktforschungsinstitutes Webnoize über neue Internetbörsen mehr Audiofiles getauscht worden als jemals über Napster. Für den Boom dieser Downloads wird unter anderem die schlechte Qualität der Musik verantwortlich gemacht. Die Internetbenutzer tauschten im letzten Monat über 3 Milliarden Mp3 Files. Diese Zahl wird von den vier beliebtesten Diensten gemeinsam erreicht: FastTrack (970 Mio.), Audiogalaxy (910 Mio.), iMesh (640 Mio.) und Gnutella (530 Mio.) Via FastTrack werden auch die Tauschbörsen Morpheus, Kazaa oder Grokster genutzt, weil die gleiche Software verwendet wird.
"Das Angebot von Musik im Internet ist größer als je zuvor", sagte Matt Bailey von Webnoize, "obwohl die Musikindustrie mit aller Härte gegen Napster vorgegangen ist. Die neuen Anbieter sind noch schwieriger zu bekämpfen als Napster".
Wegen der dezentralen Struktur der Anbieter können User schnell auf einen anderen Dienst ausweichen, wenn es zu erneuten Schließungen, wie beispielsweise von Morpheus kommt. Das sagte der Chef von MusicCity, Steve Griffin. Eine weitere Taktik der Anbieter ist das Verlegen der Server ins Ausland, um den Zugriff der amerikanischen Justiz zu verhindern. Kazaa hat sich in Holland niedergelassen und Grokster hat das Karibikeiland Nevis zu seinem Firmensitz gemacht. Bailey meint daher, dass die Schließung dieser Tauschbörsen sehr schwer sei.
Angesichts solcher Äußerungen scheint der Plan der Musikindustrie, gegen alle Anbieter juristisch vorzugehen und Kopierschutzsysteme in CDs einzubauen, nicht vielversprechend. Auch Tim Renner, Chef von Universal Music in Deutschland, vertritt diese Ansicht. Der Umsatzrückgang ist für ihn nicht nur ein technisches Problem. Am Rande der Konferenz BerlinBeta sagte Renner, dass die Popmusik seines Erachtens zur "Wegwerfware" verkommen sei. Das läge zum einem am Qualitätsverlust und zum anderen an den sogenannten Powerplay Radiostationen. Als neue Zielgruppe müsste man die über 25jährigen ins Auge fassen. Die hätten nämlich nach Renners Ansicht nicht die Zeit, sich um das Knacken des Kopierschutzes zu kümmern, dafür aber das Geld, CDs zu kaufen. Jüngere Konsumenten dagegen hätten wenig Geld und viel Zeit und wäre daher sehr bestrebt, den Kopierschutz zu umgehen.
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