Knapp eine Woche nach den Terroranschlägen von New York und Washington gibt es in der amerikanischen Musikindustrie immer noch nur dieses Thema. Platten werden zurückgezogen, Cover eingestampft. Kaum ein Bereich der USA bleibt vom Terror unberührt. Schock, Angst und Trauer beherrschen das öffentliche Leben. Dies führt bei eigentlich normalen Abläufen schnell zum Chaos: Das Album "Toxicity" von System of a Dream wird in den Charts nur auf Rang 2 gelistet, obwohl es laut Verkaufszahlen Spitzenreiter ist.
Bei VIVA in Köln erschien nach dem Anschlag ein Standbild. Mittlerweile läuft der Sendebetrieb wieder, mit angemessenen Videos und ohne viel Werbung. Dieter Gorny, Chef von VIVA sagte: "Wir dürfen den Zeitpunkt nicht verpassen, wo wirkliche Betroffenheit künstlich wird".
Führende Labels kündigten derweil Hilfskampagnen an. BMG will rund zwei Millionen Dollar spenden. Auch Sony, Warner, EMI und Vivendi Universal beteiligen sich an Unterstüztungsmaßnahmen für die Opfer. Inzwischen wurden auch zahlreiche geplante Releases von Singles und Alben gestoppt. Das ursprünglich geplante Cover des HipHop-Projekts The Coup bespielsweise zeigt ein brennendes World Trade Center. Release zurückgezogen. Auch die neueste Veröffentlichung der Band Jimmy Eats World in England wird noch auf sich warten lassen: jetzt sei nicht der richtige Zeipunkt, um ein Album mit dem Titel "Bleed American" zu veröffentlichen. Die Single "Bleed America" trifft das gleiche Schicksal.
Unterdessen wartet die Welt auf den ersten Vergeltungsschlag der USA. Dieser wird wohl Afghanistan treffen, obwohl die dort herrschenden Taliban weiterhin bestreiten, daß der Top-Terrorist Bin Laden für die Anschläge verantwortlich ist.
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