Die Fans von Tokio Hotel wissen schon, wie es gemeint war. Als Bill die Menge in Israel begrüßte, fand er nicht wirklich die passenden Worte: "Heute ist es scheißegal, was Euch passiert ist!" Auch der Nachsatz, dass es ebenso "scheißegal" sei, "was uns passiert ist", schließlich wolle man am heutigen Tag nur "ein geiles Konzert" feiern, machte es nicht besser. Die Zwillinge hatten bereits im Vorfeld klargestellt, dass sie politisch nicht so sehr bewandert seien. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum die Band keine Pressekonferenz geben wollte.
Letztendlich war seine ungeschickte Wortwahl aber nur ein bitterer Beigeschmack für einen ansonsten gelungenen Beitrag zur Völkerverständigung. Tokio Hotel sind nämlich bei ihren Israelischen Fans so beliebt, dass diese eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen hatten. In dieser forderten sie, dass die Jungs auch einmal nach Tel Aviv kommen sollten, um dort ein Konzert zu geben. Die Israelische Botschaft in Berlin reichte die 7000 Stimmen an Bill und Co weiter, und die sagten sofort zu.
Bevor es am Samstag nun endlich zu dem heiß ersehnten Konzert kam, gab es am Einlass Probleme. Der Druck wurde so groß, dass eine Glasscheibe zu Bruch ging und einige Fans mit Schnittverletzungen ins Krankenhaus mussten. Diejenigen, die es bis in die Halle geschafft hatten, erlebten einen gut gelaunten Tokio Hotel-Sänger, der sogar ein paar Worte auf Hebräisch formulierte. Die dankten es ihren Idolen mit lautem Gekreische und Textsicherheit auch in deutscher Sprache. Denn viele israelische Fans lernen inzwischen deutsch, was bei ihren Eltern und Großeltern oft nicht ganz ohne Bedenken zur Kenntnis genommen wird.

