
Gestern Abend lud Stefan Raab wieder 16 deutsche Bands zum Bundesvision Song Contest ein. Vorraussetzung für alle Bands: Mindestens die Hälfte des Textes muss auf Deutsch sein - andere Vorgaben geht es nicht. Und das merkte man leider auch. Waren da peinliche Auftritte mit zu eng anliegendem Stoff oder gar keinem Stoff auf der Haut oder in Unterwäsche. Gestern Abend hat die deutsche Musikszene bewiesen wie es nicht geht. Davon profitiert hat der Berliner Kandidat Tim Bendzko, für den sicherlich alle Minderjährigen angerufen haben - der Niedlichkeitsbonus hat mal wieder zugeschlagen.
Es gab nur wenig was einem gestern ein "Ah" oder ein "Wow" entzücken konnte. Als schleswig-holsteiner Bürger musste man sich sogar ganz schön schämen. Was die beiden Herren von Muttersöhnchen als Musik bezeichnet haben war nichts anderes als eine bodenlose Frechheit. Wunderbare Songs wie "Ich war hier" von der Alin Coen Band, angetreten für Thüringen, gingen komplett unter. Und auch für Gewinner Tim Bendzko war es nicht einfach die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Für ihn dürfte sein Erfolg mit der Debütsingle "Ich Muss Nur Noch Kurz Die Welt Retten" ausschlaggebend für den Erfolg gewesen sein. Und eine Live-DVD von Xavier Naidoo, von welcher er offensichtlich das Posing gelernt hatte! Hätte Bendzko eine Sonnenbrille mit gelben Gläsern getragen, hätte man ihn durchaus für den Naidoo aus den 90ern halten können.
Alles was bleibt ist die Frage, ob die deutsche Musiklandschaft nicht mehr zu bieten hat, als die Naidoo-Kopie Tim Bendzko. Hat man es nötig nackt oder in Unterwäsche aufzutreten, oder die Bühne abzufackeln oder sonst irgendwas zu tun, was von der Musik und dem Auftritt ablenkt? Nein! Das konnte man gestern ganz gut bei drei Teilnehmern sehen. Zum einen die eben angesprochene Alin Coen Band, die auf all das verzichtet haben. Außerdem das zuckersüße Popduo Glasperlenspiel, Sängerin Carolin Niemczyk war wohl die bestangezogenste Frau des Abends und das, obwohl sie sogar eine Hose trug, und die Teilnehmer für Niedersachsen Bosse feat. Anna Loos, die mit ihrem tanzbaren Popsong "Frankfurt/Oder" auf ganzer Linie überzeugen konnten.
Die Überraschung des Abends war wohl das schlechte Abschneiden der hessischen Band Juli. Gewann die Band aus Gießen 2005 noch die erste Ausgabe des Bundesvision Song Contest schnitt Juli dieses Jahr mit am schlechtesten ab. Nur aus ihrem eigenen Bundesland erhielten die fünf Musiker Punkte - immerhin sogar die volle Wertung. Auch wenn die Gesangsdarbietung von Sängerin Eva Briegel alles andere als eine Glanzleistung war, war der Song bei weitem besser als viele andere. Aber auch bei diesem Wettbewerb geht es nicht um Können oder Qualität sondern darum, wer die stärkste Fanbase hatte. Und die hatte in diesem Jahr offensichtlich Tim Bendzko.
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