
Concetta Kirschner alias Princess Superstar galt spätestens seit ihrem 2001er Hit "Bad Babysitter" als die weiße Powerfrau des US-amerikanischen HipHop. Denn wo es jede Menge Frauen gibt, die ordentlich Rhymes droppen und ihre Skills raushauen (man denke z. B. an Missy Elliot, Lil'Kim oder Eve) stellt Princess Superstar mit ihrer Hautfarbe dann doch die Ausnahme dar. Denn ihre Kolleginnen sind afroamerikanischer Abstammung und so wie Eminem die Szene bei den Herren anführt, hätte man denken können, dass Princess Superstar eben diesen Weg auch verfolgt.
Weit gefehlt: 2001 konnte Princess Superstar zwar schon auf vier Alben zurückblicken und der "Bad Babysitter", ein Song über die Untiefen der auch heute noch weitläufig als nichtexistent geglaubten amerikanischen Anti-Prüderie, hypte die gebürtige New Yorkerin jüdisch-sizilianischer Abstammung auf einen der vorderen Plätze des HipHop-Biz. Doch wie die ersten Alben und z. B. auch der ständig wechselnde Name der eigenen 1995 gegründeten Plattenfirma wurde deutlich, dass sie sich nicht auf einen Stil festlegen wollte.
So entwickelte sich Princess Superstar weiter und in den letzten vier Jahren, die zwischen "Bad Babysitter" und dem aktuellen Album "My Machine" liegen, lernte sie u. a. DJ Hell kennen und schätzte die elektronische Musik immer mehr. Diese Streifzüge durch die New Yorker (und auch weltweite) Clubkultur bescherten dann schließlich die Kehrtwende, denn es geht jetzt nicht mehr nur um HipHop. Sie legt mittlerweile mehr auf, als dass sie produziert. So ganz vom HipHop weg ist Princess allerdings nicht. Vielmehr beschäftigt sie sich jetzt nach eigenen Angaben mit "New Wave HipHop", den man auch als "Electro-Clash" bezeichnen kann. Das neue Album ist der Beweis dafür, dass das selbsterdachte Konzept funktioniert. Die aktuelle Heimat in Form der Plattenfirma K7! lässt Concetta zudem die nötigen Freiheiten, um ihr Ding so was von durchzuziehen, dass der Rest der musikalischen Community einfach nur noch staunen kann.
Ob sie mehr Platten verkaufen will? Das ist ihr eigentlich egal, denn in einer Welt, die immer mehr in den Massenkonsum mit allen unliebsamen Begleiterscheinungen abdriftet, hält sie ihre Musik für intelligent und somit wichtig. Dieser sicherlich nicht wenig arrogant klingenden Meinung sollte man sich allerdings anschließen, denn sie sagt die Wahrheit. Ihre Musik, die sich jetzt 2005 zu einem neuen Style entwickelt hat, ist genau das, was intelligente Popmusik im 21. Jahrhundert ausmachen sollte. Natürlich ist sie immer noch rotzfrech. Das in 10 Jahren kreierte Image der Frau, die eigentlich nichts so macht, wie es "die Gesellschaft" erwartet, funktioniert und lädt zur künstlerischen Rebellion ein. Das brauchen wir, liebe Leute, besonders heute, wo Teile der Grundrechte immer mehr in den Hintergrund treten und von fadenscheinigen Ausreden revidiert werden sollen (man siehe nur auf die ständig geschürte Terror-Angst in den USA).
Vielleicht ist es grade dieses Klima, was KünstlerInnen wie Princess Superstar zu ihren musikalischen Werken inspiriert. Eines ist allerdings sicher: Wenn man sich von dem konsumorientierten Massengeschäft abkoppeln will, ohne in der Belanglosigkeit zu verschwinden, dann sollte man Musik machen, wie sie es tut. Denn so kann man ein deutliches Zeichen setzen, ohne sich selbst zu verraten. Das erkannten z. B. auch die Kritiker schon sehr früh, denn spätestens mit dem dritten Album "Princess Superstar Is..." avanciert Concetta zu einer der gefragten Acts in den USA und auch weltweit. Kein Wunder, sah man schließlich schon damals den Drang zum Sprengen der Ketten. Dass das Mädel dazu noch verdammt gut aussieht ist natürlich hilfreich, allerdings nicht der Hauptgrund.
Der Wutang-Newsletter schrieb einmal: "While Lil'Kim tends to look and sounds like LaToya Jackson on crack, Princess Superstar comes off as a lady with clever wit and hooks to match." Dem muss nichts mehr hinzugefügt werden.
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