''Meine Traumvorstellung ist, dass Mannheim zu einem echten Zentrum der populären Musik wird'', sprach Xavier Naidoo 2003 als er den Fred-Jay-Preis für seine Verdienste um die deutschsprachige Musik verliehen bekam. Die damalige Illusion verdeutlicht die innige Liebe und Verbundenheit Naidoos zu seiner Heimatstadt Mannheim, die für ihn weit mehr als nur Geburtsstadt ist.
Heute ist der Traum gelebte Realität, Mannheim wird deutschlandweit um seine Popakademie beneidet, in der ganzen Stadt herrscht Aufbruchstimmung, einstige soziale Brennpunkte entwickeln sich zu kosmopolitischen Szenevierteln, der Stadt wurde regelrecht neues Leben eingehaucht. An dem Umschwung ganz erheblich beteiligt ist der 1971 geborene Sänger, denn er verkörpert wie kein Zweiter die Seele und das Bild Mannheims. Im Stadtteil Wallstadt, als Sohn einer irischstämmigen Südafrikanerin und eines deutsch-indischen Vaters aufgewachsen, legte er schon frühzeitig im Schulchor den musikalischen Grundstein für seine Karriere. Später verhalf ihm sein Engagement als Sabrina Setlurs Backgroundsänger zum ersehnten Durchbruch und als Solokünstler etablierte er praktisch im Alleingang die zuvor nicht existente deutschsprachige Soul-Sparte.
Heute ist Xavier Naidoo mehrfacher, mit Auszeichnungen überhäufter Multi-Millionär, der es mit seinem dritten Album ''Telegramm für X'' kürzlich sogar vor Madonna und Robbie Williams auf Platz Eins der Charts schaffte. Seine aktuelle Tour war binnen kürzester Zeit ausverkauft, so dass nur eine Reihe von Zusatzkonzerten die Nachfrage von 400.000 Fans decken konnte. Wer hätte daran vor Jahren geglaubt, als Naidoo noch während seiner später abgebrochenen Kochlehre im Mannheimer Rosengarten Kartoffeln schälte und Teller spülte? Er bestimmt, denn Naidoo war schon immer von sich überzeugt. So startete er selbst als dürrer Spargel-Tarzan eine Türsteher-Karriere im legendären Mannheimer Milk! Club.
''Eine knallharte Türpolitik hat er betrieben'', berichten ehemalige Gäste. Da wurde nicht diskutiert und bei Gerangel schlug er dazwischen. Konsequent zog er damals schon sein Ding durch, aber ''keinen durch''. Von der später proklamierten Kiffermentalität war wenig zu bemerken, im Gegenteil: ''Da war gar nichts'', absolut clean sei er gewesen, wie die damaligen Diskothekenbetreiber berichten. Woher die spätere Attitüde kam, ist schwer zu deuten, vielleicht war es auch nur eine geschickt gestrickte Marketingstrategie, um im Gespräch zu bleiben. Dieser Dope-Dialog kostete ihn jedenfalls mehrere tausend Euro Geldstrafe und obendrein wurde sein Führerschein eingezogen. Per Pedes wandelte er hernach apostelgleich auf ''seinen Straßen'' und pries in seinen Texten so inständig das Werk Gottes, dass der Spiegel ihn als ''Jesus der Hitparaden'' titulierte.
''Telegramm für X'' zeigt den neuen Weg Naidoos, es ist weniger ein Bekenntnis seines Glaubens, eher Musik, die ''am Leben interessiert ist'' und auch politische Positionen bezieht. Der Refrain der ersten Single verspricht einen langen Gang: ''Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer''. Mannheims berühmtester Sohn indessen ist schon längst angekommen, auf dem Olymp der deutschen Popmusik.

