Es war eine Überraschung: Beim gestrigen deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ehemals Grand Prix) schaffte es Swing-Sänger Roger Cicero mit seinem zum internationalen Frauentag passenden Titel "Frauen regier'n die Welt" auf den ersten Platz und wird Deutschland am 12. Mai beim Finale im finnischen Helsinki vertreten. Die zuvor als Favoriten gehandelte Girlband Monrose konnte sich nicht durchsetzen. Ebenso das Urgestein der deutschen Musik Heinz Rudolf Kunze. Monrose und Kunze konnten nur noch dem Gewinner gratulieren.
Bei der Live-Übertragung aus dem Hamburger Schauspielhaus bekam Roger Cicero überraschend mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen. Wie auch in den Jahren zuvor konnten die TV-Zuschauer per Telefon und SMS für die Kandidaten voten. Von seinem Sieg zeigt sich Roger Cicero ebenfalls sehr überrascht, denn er habe zuvor "keine Sekunde" an seinen Sieg geglaubt. Insgesamt beteiligten sich über 900.000 Zuschauer an der Abstimmung über den deutschen Beitrag für Helsinki.
Die im Vorfeld favorisierte Casting-Band Monrose, die aus der Pro7-Serie "Popstars" Ende 2006 hervorgingen, verließ das Gebäude nach Bekannt werden des Ergebnisses fluchtartig. Senna, Bahar und Mandy sollen laut einer NDR-Radiomeldung sehr enttäuscht gewesen sein und Tränen in den Augen gehabt haben. Auch seien die Mädchen zu keinem Interview bereit gewesen sein. Als etwas besserer, aber nicht minder enttäuschter Verlierer zeigte sich Heinz Rudolf Kunze, der mit seinem Song "Die Welt ist Pop" als erster antrat und im Gesamtvergleich die schwächste Vorstellung ablieferte. Monrose konnten mit ihrem Song "Even Heaven Cries" zwar durchaus glänzen, schafften es aber nicht gegen einen motivierten Roger Cicero.
Cicero zeigt sich bei seinem Auftritt voller Elan und konnte nicht nur die TV-Zuschauer, sondern auch die im Saal anwesenden Gäste mitreißen. Auf der Star-Couch saßen neben Moderator Thomas Hermanns u. a. auch Georg Uecker (von Hermanns als "die große alte Dame der Grand Prix Geschichte" bezeichnet) und die Schweizer Sängerin und Moderatorin Paola die selbst vier Mal beim Grand Prix gestartet ist, jeweils zwei Mal für Deutschland und für die Schweiz.
Der ausrichtende NDR präsentiert u. a. mit Johnny Logan ehemalige Helden des Grand Prix. Logan konnte mit seinem Titel "Hold Me Now" 1987 für Irland gewinnen. Vor den eigentlichen Beiträgen der diesjährigen Teilnehmer präsentierten Roger Cicero, Monrose und Heinz Rudolf Kunze noch Interpretationen alter Klassiker im neuen Gewand. Bei diesem "Warm-Up" sahen die Mädchen von Monrose durchaus noch als die klaren Favoriten aus, weil vor allem Roger Cicero mit seiner Version von "Zwei kleine Italiener" nicht wirklich überzeugen konnte. Bei seinem eigentlichen Beitrag "Frauen regier'n die Welt" zeigte sich Cicero dann allerdings von seiner besten Seite und konnte so den Sieg holen.
Mit Roger Cicero wird Deutschland nun am 12. Mai im finnischen Helsinki wieder durch einen deutschsprachigen Titel vertreten. Ob diese Tatsache bei den Votings den Ausschlag geben konnte, ist bisher nicht geklärt. Fest steht allerdings, dass Cicero durch Natürlichkeit punkten konnte.

