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2007

Kim Frank Interview: Der gemochte Außenseiter

Kim Frank Interview: Der gemochte Außenseiter | Top Story
Kim Frank Interview
Der gemochte Außenseiter

Der ehemalige Echt-Sänger Kim Frank ist mit seiner Platte "Hellblau" am Start. Dafür hat er sich ordentlich Zeit gelassen und kurz vorher noch am Bundesvision Song Contest teilgenommen. POOLTRAX.com traf in Hamburg einen entspannten Kim Frank zum Interview über die neue Platte, das Leben als Solo-Künstler und die aktuellen Strömungen deutschsprachiger Musik.

Dein neues Album ist das erste musikalische Lebenszeichen seit fünf Jahren. Warum die lange Pause?

Vom Umfang her ja. Ich hab allerdings 2005 beim Soundtrack des Leander Haußmann-Films "Kabale und Liebe" mitgearbeitet, insofern bin ich nicht ganz untätig gewesen. Beim Film "NVA" hab ich ja auch mitgespielt, allerdings bin ich da nicht für den Soundtrack tätig gewesen, sondern nur in meiner Rolle als Wehrpflichtiger.

Das Album klingt sehr emotional. Wie beschreibst du deinen derzeitigen Stil?

Ich mache gefühlvollen Pop und singe große Melodien mit großen Playbacks. Vergleichen würde ich das z. B. mit Roy Black. Der hat zwar seine Songs nicht selbst geschrieben, aber ähnlich wie er hab auch ich keine Angst davor, Gefühle zu zeigen und auch ein bisschen kitschig zu sein. Das gehört halt zusammen, wenn man in seine Musik so viele Emotionen reinlegt. Neben Roy Black finde ich auch Udo Jürgens ganz groß, von daher könnte man meine Musik auch als modernen Schlager bezeichnen. An Udo Jürgens hab ich mich beim neuen Album auch ein bisschen orientiert.

Kitschige Musik macht dir also keine Probleme?

Überhaupt nicht. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen: "Uh, das kann man jetzt so aber nicht machen!". Ich lasse das raus, was in mir ist, auch wenn das manchmal vielleicht seicht klingen mag. Es spiegelt dennoch das wieder, was in mir steckt. Das gilt auch für die Single "Lara". Es ist zwar kein 100%ig autobiografischer Song, allerdings geht es schon darum, wie man eine Trennung verarbeiten kann. Das sind Dinge, die mir natürlich auch schon passiert sind und daher zu meinem Leben gehören. Die Geschichte, die ich bei dem Song beschreibe, die hab ich so erlebt. Der Name "Lara" ist allerdings ausgedacht.

Ist das bei all deinen Songs so?

Ja. In fast allen Songs stecken Dinge, die ich erlebt habe, die mich bewegen und mit denen ich mit beschäftige oder beschäftigt habe. Natürlich hab ich alles angepasst, so dass es auch in Pop-Songs reinpasst. Hätte ich das nicht gemacht, wäre alles viel zu wirr und auch zu lang. Eine klare Struktur ist mir wichtig. Für dreieinhalb Minuten wäre das dann wirklich zu umfangreich geworden.

Wie fühlst du dich denn jetzt als Solokünstler?

Es ist sehr angenehm. Mir fällt auf, dass ich mich auch früher schon oft allein gefühlt habe. Das soll aber keine Anklage an meine Jungs sein! Neulich wurde ich gefragt, ob ich ein Einzelgänger sei und ich denke, dass das stimmt. Obwohl ich immer gern mit Leuten zusammen bin und auch im Team arbeite, fühle ich mich oft als Außenseiter. Das war übrigens auch schon in der Schule so - da war ich immer der "gemochte Außenseiter". Kein Anti-Typ oder Freak, schon jemand, der gern dabei ist und auch akzeptiert ist, selbst aber das Ganze immer aus einer beobachtenden Perspektive sieht und nie zu tief in die Strukturen eindringt und sich raushält.

Warum grade jetzt ein Comeback?

Ich hätte es gern schon früher gemacht, aber die Musik war noch nicht fertig. Ich hab an dem Album seit der Trennung von Echt gearbeitet und "Lara" war z. B. schon im Sommer 2003 fertig. Zwischendurch gab's natürlich immer mal Pausen, für Filmarbeiten und andere Sachen. Dann sollte das Album Ende 2006 erscheinen, aber ich war noch nicht so zufrieden mit der CD, wie ich das hätte sein sollen. Ich hab's dann verschoben, noch drei neue Songs geschrieben und aufgenommen, Songs neu eingespielt, hier und da gefeilt, usw. Grund für das jetzige Datum war eigentlich der Bundesvision Song Contest. Das passte dann ganz gut und ich hatte ein klares Datum, an dem die CD definitiv erscheinen sollte. Ein solches festes Datum ist immer ganz gut für mich, weil ich sonst dazu neige, solche Sachen immer mal wieder gern zu verschieben.

Hast du dir beim Bundesvision Song Contest mehr erhofft?

Nein, eigentlich viel weniger! Ich war mit meinem Ergebnis sehr zufrieden...

Hast du auch mit dem Sieg von Oomph! gerechnet?

Hab ich nicht - ich hatte zwar so eine Ahnung, die ich auch öffentlich gesagt habe, aber dass das dann wirklich passierte, hat mich schon überrascht.

Wie kamst du auf diese Ahnung? Jan Delay war kein leichter Gegner für Oomph!...

Jan Delay hat aber keine so große Fanbase. Das muss man auf jeden Fall beachten. Er ist zwar seit ein oder zwei Jahren kommerziell sehr erfolgreich, aber Oomph! sind größer. Die können mehr Fans mobilisieren, denn darauf kommt es bei einer solchen Veranstaltung ja an. Ich denke, dass der Anrufreiz für die Fans von Oomph! größer war als bei denen von Jan Delay. Dessen Fans sind wohl etwas entspannter und gucken sich das Spektakel an, greifen aber nicht gleicht zum Handy. Die Fans von Oomph! allerdings wollten, dass ihre Band unbedingt und auf jeden Fall gewinnt. Insofern war die Entscheidung eigentlich voraussehbar.

Noch mal zum Comeback - stand ein Comeback mit Echt im Raum?

Mitte 2005 hab ich mich mit allen Jungs aus der Band getroffen und wir haben das Thema durchgesprochen. Ich wäre auch bereit gewesen, meine Solo-Pläne über den Haufen zu werfen, aber es ist nicht zustande gekommen, was im Endeffekt auch okay war. In dem darauf folgenden halben Jahr hab ich viele Songs geschrieben und bin mit den Arbeiten zur neuen CD gut vorangekommen. 2006 war ich dann so gut wie immer im Studio, jeden Tag, acht Stunden und mehr. Die Zeit hätte ich ja sonst gar nicht gehabt. Dafür klingt die Platte jetzt aber auch genauso, wie ich das wollte.

Das Verhältnis zu deinen Ex-Kollegen ist aber noch gut?

Da gibt's keine Problem. Man sieht sich natürlich nicht mehr so oft...

Zurzeit rollt ja die Comeback-Welle. Take That, Genesis...

Das ist mir auch ein bisschen peinlich, dass ich da reingerutscht bin. Aber ein Comeback mit Echt wird es nicht geben, der Zug ist abgefahren. So hab eben nur ich als ehemaliger Teil von echt ein Comeback, aber ich hab mit dem Termin nicht gewartet, bis ein Trend oder so für Comebacks absehbar war. Das hat sich bei mir aus den schon genannten Gründen einfach so ergeben.

Tokio Hotel wird oft als legitimer Nachfolger von Echt gehandelt. Wie findest du das?

Dazu hab ich keine echte Meinung. Allerdings kann ich sagen, dass Echt viel präsenter als Tokio Hotel war. So wurde z. B. unsere Musik von allen gehört. Vielleicht nicht die erste Platte, aber auf jeden Fall die zweite. Tokio Hotel ist eine Spartenband, die vornehmlich bei den richtigen Teenies die meisten Fans hat. Bei Echt sah das immer etwas allgemeiner aus und wir konnten auch andere Zielgruppen mit unserer Musik ansprechen.

Echt war also keine wegbereitende Band für Tokio Hotel?

Mit Echt haben wir schon dafür gesorgt, dass deutschsprachige Musik aus einer bestimmten Ecke herausgekommen ist. Auch andere Bands wie z. B. Wir sind Helden oder Juli haben dafür gekämpft. Tokio Hotel sind auch deswegen heute so erfolgreich, weil wir alle vorgearbeitet haben. Das wäre früher so nicht möglich gewesen, ganz klar.

Gibst du Tokio Hotel eine Zukunft?

Nein...

Warum nicht?

(lacht) Weil ich zuviel über die weiß... ist aber nicht böse gemeint, nur meine Meinung... Ich mach den Job ja auch schon seit 10 Jahren und ich denke, dass Tokio Hotel die Substanz fehlt, der Inhalt. Um in dieser Branche jahrelang zu überleben, brauchst du echte Inhalte. Man kann nicht immer sagen, alles ist toll, super, klasse. Man muss Persönlichkeit haben, Ecken und Kanten und auch mal den Mut haben, aus gewohnten Dingen auszubrechen. Das seh ich bei den Jungs irgendwie nicht.

Wie hat sich die Musikindustrie in den letzen 10 Jahren aus deiner Sicht entwickelt?

In den 90ern hing das Geld in der Luft. Da braucht man nur sagen, man hat was mit Medien oder Musik zu tun und schon war die Sache in trockenen Tüchern. Man bekam leicht Geld für neue Produktionen und Videos. Das führte natürlich dazu, dass alle möglichen Bands mehr oder weniger gute Musik gemacht haben und dass der Markt überschwemmt wurde. 2001 mit den Anschlägen und der Krise in der Wirtschaft war das mit einem Schlag vorbei. Die Plattenfirmen haben aber weitergemacht wie bisher - das klappte aber nicht mehr so richtig. Die Leute haben dann weniger konsumiert und Singles wurde fast gar nicht mehr verkauft. Das ist bis heute so. Mit 4000 verkauften Singles kannst du aktuelle auf Platz 1 in den Charts landen. Früher hab ich mit Echt in schlechten Zeiten 4000 Singles verkauft, heute ist das die Obergrenze. Die Quantität aus den 90ern ist jetzt wieder überwiegend durch Qualität ersetzt worden, bei dem Labels ist diese Ansicht aber noch immer nicht so richtig angekommen und es wird auch jetzt nicht viel zu viel veröffentlicht. Die Absatzprobleme in der Musikbrachen haben nicht die Downloads und das Kopieren von CDs als Grund, es ist das Fehlen von Qualität. Zurzeit geht es aber immer öfter wieder um Qualität. Die schlechten Künstler haben es wieder schwerer, mitzuhalten. Diejenigen, die durch Qualität überzeugen können, sind dagegen wieder auf dem Vormarsch.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich möchte gern 2008 ein neues Album machen, weil ich schon wieder merke, dass ich viele neue Lieder in mir habe, die rauswollen. Die Platte kann durchaus ähnlich werden, wie die jetzige. Also ein klassisches Album. Danach könnte ich mir vorstellen, vielleicht etwas mehr Soul oder auch Rock zu machen. Und was ich sonst noch so vorhaben? Frau, Kinder, Millionär werden... (lacht) Das Übliche eben...

Vielen Dank für das Gespräch.

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