Das letzte Konzert von Sandi Thoms Europatournee war mit Sicherheit nicht das letzte in Hamburg. Dieses Konzert war erst der Anfang. Gegen neun Uhr ging es zunächst einmal mit der "Ein-Mann-Vorband" im Vorprogramm von Sandi Thom los – Jason Rowe hieß der Musiker und wäre es allein schon wert gewesen, sich am vergangenen Dienstagabend in den Hamburger Knust zu begeben.
Der Mann mit der Gitarre sang sich mit Songs wie "Lookout" und "The best thing that I ever lost"(aus seinem aktuellen Album "Lovelife") vor allem in die Herzen der weiblichen Besucher; spätestens mit der ersten Zeile, "You don't have to be beautiful to turn me on" von Princes "Kiss" hatte er dann aber auch die Männer auf seiner Seite - Füße und Köpfe der Menge wie von selbst im Takt mitwippend. Doch wenn's am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören, sodass dieser Höhepunkt zugleich auch Jasons letzter Song war.
Nach etwa einer halben Stunde und zahlreichen "Sandi"-Rufen kam sie dann endlich – ganz ohne Glamour und Showeffekt. Sowieso wurde das gesamte Konzert von einer sehr angenehmen Atmosphäre getragen. Mit geschätzten 200 Besuchern und einer Sandi Thom, die es sich nicht nehmen ließ, diverse Anekdoten aus ihrem Leben zu erzählen, wurde es ein recht privates und vor allem "echtes" Konzert. Sandi Thom verzichtet auf 10 Outfitwechsel und eine furiose Lightshow, sie steht mit ihrer vierköpfigen Band auf der Bühne und gemeinsam vermitteln sie ihre Freude an der Musik.
Mit "Little Remedy" ging es los, einem Song, der vom typischen "Sandi-Sound" getragen wird – ein bisschen schottischer Folk und auf faszinierende Weise mitreißend. Insgesamt ist Sandi Thom wohl das, was man heutzutage als "echte Musikerin" bezeichnen würde – sie schreibt ihre eigenen Lieder und spielt das gesamte Konzert über zusätzlich zu ihrer Funktion als Leadsängerin Gitarre, es sei denn, sie begeistert die Zuhörer mit einer ihrer Mundharmonika-Einlagen (z. B. bei "Sunset Borderline").
Live ist Sandi Thom also eine richtige Granate. "Klein aber oho" könnte man hier fast schon sagen, denn trotz ihrer geringen Körpergröße besitzt sie eine gewaltige Ausdruckskraft in ihrer Stimme, sodass man trotz aktiver Background- und Bandunterstützung zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hat, sie würde die Oberhand über ihr Ensemble verlieren.
Nach einigen rhythmisch eher im schnelleren Bereich anzusiedelnden Liedern gönnen Sandi Thom und ihre Band uns und unserer Nackenmuskulatur eine Pause, es folgen Balladen wie "Lonely Girl" und "They don't makle mirrors like they used to", letztere ist fast schon eine Soloperformance von Sandi und ihrer Gitarre – Musik pur!
Dann endlich war es soweit: "I Wish I Was A Punkrocker (With Flowers In My Hair)" in einer tollen Akustik-Version und alle sangen den bisher bekanntesten Song von Sandi Thom ausnahmslos mit. Die Begeisterung der gesamten Band, die immer noch anhielt, hatte sich schon längst auf das Publikum übertragen. Es folgte als vorerst letzter Song ihre am 23. Februar erscheinende zweite. Single "What If I'm Right". Doch natürlich erhielten die restlos begeisterten Zuschauer nach intensiver Aufforderung noch zwei Zugaben, eine davon "Time", ein brandneuer Song aus Sandi Thoms zweitem Album, welches sie gerade fertig stellt, quasi eine Hamburg-Premiere als Dankeschön an die, die gekommen waren. Dabei haben wir Sandi Thom zu danken; dafür, dass wir wieder mal ein Konzert und kein Konzept erleben durften; dafür, dass sie keine Punkrockerin mit Blumen in den Haaren ist, sondern, dass sie so ist, wie sie ist – Danke Sandi.

