Gute Laune in Dosen. Das versprechen die Konzerte von den Sportfreunden Stiller, oder den "Sporties", wie Fans sie liebevoll nennen, eigentlich immer. Die Jungs sind einfach so nett und natürlich, als wären sie gerade aus der Umkleidekabine ihres Zweitliga-Vereins gekommen. Bereit, wieder einmal ordentlich Gas zu geben, dabei aber den Spaß am Spiel nicht zu vergessen. Natürlich machten sie beim Konzert in Hamburg keine Ausnahme. Nachdem sich die Zuschauer, die die Bravo nicht mehr als Pflichtlektüre sehen, noch über den eigentümlichen Namen der Vorgruppe Johnossi wundern, legen die schon los. Der pubertäre und somit größere Teil der Besucher erkennt die schnuckeligen Jungs sofort und klatscht eifrig mit. Ordentliche Vorgruppe, denken sich die älteren Semester im Rang und wundern sich darüber, dass die Band gerade einmal aus Gitarre und Bass besteht und trotzdem Druck hat.
Nachdem das erste Bier vernichtet ist, freut man sich dann aber doch auf die Sporties und auf die erwarteten zwei Stunden Party. Um 21Uhr geht das Licht aus, und Elektronische Klänge schallen durch den Veranstaltungsort der wohl mit der miesesten Akustik der Stadt behaftet ist. Aber Gott sei Dank sitzt man hier ja in keiner Verdi-Oper, sondern ist in erster Linie zum Hüpfen gekommen. Während man sich auf den Tribünen noch die Akustik schön denkt, betreten die drei gut Geföhnten grinsend die Alsterdorfer Sporthalle.
Wie auf Knopfdruck geht es los - die Masse im Innenraum bewegt sich stetig auf und ab, während sie die Sporties auf der Bühne Willkommen heißen. Nach dem Eröffnungssong dann der offizielle Teil und Peter grölt ein "Hamburg - es ist uns eine Ehre!" in die Menge. Die freut sich. Die älteren auf den Rängen denken derweil, dass der Bayer jetzt sicher lieber auf den frisch angezapften Wiesen stehen würde, als im äußersten Norden die Sau rauszulassen. Aber den Eindruck macht der Sänger wirklich nicht. Und sollten sich doch ein paar angestaute Energien gegen die Hamburger angesammelt haben, dann höchstens auf Sportlicher Ebene. Aber nein, auch da steht Peter drüber. Zitat: "Hier stehen wir, und blicken auf Euch herab." Pfeifkonzert.
"Das war natürlich nur metaphorisch gemeint - vom Tabellenstandpunkt aus gesehen..." Pfeifkonzert. Die Jungs haben ihr Publikum so gut im Griff, dass derlei Spitzfindigkeiten natürlich sofort ausgebügelt wurden. Ein Kommentar von Drummer Florian genügt: "Du dreckige Bayern-Schwuchtel." Tosender Applaus. So sind die Sporties-Fans - einfach, aber ehrlich. Und so geht es auch musikalisch weiter. Keine großen Überraschungen waren zu erwarten, außer vielleicht noch mehr Crowd-Surfing Aktivität beim Publikum. Stattdessen präsentieren die Sportfreunde Stiller eine ausgewogene Mischung aus Songs vom aktuellen Album, und alt Bewährtem. Der Mob dankt es den Dreien nach jedem Song mit lautem Fangesang. So soll das sein, denkt sich der Rang-Besetzer und freut sich über ein friedlich-fröhliches Konzert, das zudem auch noch echt Laune macht. Darüber kann der pubertäre Innenraum Sportler natürlich nur müde lächeln, denn wer echter Sporties Fan ist, der hat gefälligst mit der Menge zu hüpfen.
Zu Hüpfen gibt es im weiteren Verlauf des Abends auch noch einiges. So viel, dass Peter, Rüde und Flo den Teenies als Zugabe sogar eine kleine Entspannungspause einplanen. Statt Stretching gibt es jetzt ein Akustik-Set, das die Jungs in ungewohnt ruhiger Pose zeigt. Akustik-Gitarren und die Sportfreunde Stiller - kann das gut gehen? Fragt sich der Innenraum Besucher während man sich auf der Tribüne wie Bolle über die kreative Abwechslung freut. Und es geht gut. Erstaunlich gut sogar, denn wer hätte gedacht, dass "54, 74, 90, 2010" mal so gefühlvoll gesungen werden kann? Und das auch noch vom Publikum als A Capella Version, denn die Sporties halten sich bekanntlich mit dem Vortragen der Fußball-Hymne zurück. Schöne Lösung, und natürlich nicht die letzte Zugabe dieses Abends. Ein zweiter Rockteil folgt.
Das war auch zu erwarten, denn Kracher wie "Ich, Roque" und "1. Wahl" fehlen immerhin noch, und ohne diese beiden Songs geht kein waschechter Sportsfreund ins Bett. Gesagt getan, es wird gehüpft, gesprungen, gesurft und was man noch so macht, um sich ein letztes Mal so richtig auszutoben. Die Jungs freut es und sie bedanken sich brav bei den Hamburgern, die wieder einmal gezeigt hätten, dass sie überhaupt nicht so steif wie ihr Ruf seien - so der singende Bayer. Damit ist der Beweis erbracht, dass Anhänger rivalisierender Fußball-Vereine in einer Sporthalle durchaus gut miteinander auskommen können. Solange 2 Stunden lang gerockt wird, bis der Sportarzt kommt. Das denkt sich der ältere Rangbesetzer, während er zufrieden in seinem Auto den Heimweg antritt. Und den Innenraum-Teenie tun immer noch die Beine weh vom vielen Hüpfen, während er von Mutti vor der Halle im silbergrauen Sharan abgeholt wird. Morgen ist schließlich Schule.


