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2009

Musik-TV-Tiefpunkte 2009: Deutschland in der Casting-Krise

Musik-TV-Tiefpunkte 2009: Deutschland in der Casting-Krise | Top Story
Musik-TV-Tiefpunkte 2009
Deutschland in der Casting-Krise

"Deutschland sucht den Superstar" und "Popstars" galten einst als die erfolgreichsten Casting-Formate im deutschen Fernsehen. Erfolgreich mögen beide auch in diesem Jahr gewesen sein, aber rein qualitativ erreichte man vor allem mit "Popstars" 2009 einen neuen Tiefpunkt. Nie zuvor fühlte sich das Publikum derartig verschaukelt wie in der letzten Woche. Um das Dilemma der deutschen Casting-Shows zu verstehen, muss man die Geschichte allerdings von mehreren Seiten beleuchten.

Dafür drehen wir das Rad der Zeit ein paar Jahre zurück. Knapp 10 Jahre ist es her, als mit "Popstars" erstmals eine Casting-Show über die deutschen Bildschirme flimmerte. Damals lief das Format noch bei RTL2 und stand tatsächlich noch im Schatten von Sendungen wie "Big Brother". Das hat sich bis heute freilich geändert. Das Format ist erfolgreicher, allerdings auch deutlich weniger nachhaltig. Die "No Angels", die aus der ersten Staffel hervorgingen, waren über Jahre die erfolgreichste deutsche Band überhaupt. Zahlreiche Sender versuchten damals, ebenfalls Casting-Shows hochzuziehen. Sat.1 etwas brachte "Star Search", RTL "Meine Band". Beide konnten nicht wirklich überzeugen.

"Popstars" allerdings war erfolgreich und auch die zweite Staffel konnte im Ergebnis noch überzeugen. "Bro'Sis" hatte immerhin ein paar Hits. Allerdings konnte man schon damals beobachten, dass es irgendwie nicht mehr um die Musik ging. Viel wichtiger schienen die Anrufe der TV-Zuschauer zu sein, die für Ihre Favoriten kräftig anriefen. Das bringt schließlich Geld in die Kassen. Scheinbar deutlich mehr als die Musikverkäufe, wie wir heute wissen. Die Konkurrenz schien das auch zu begreifen und so ging RTL zum Gegenangriff über. Mit einem bissigen Dieter Bohlen als Ober-Juror bei "Deutschland sucht den Superstar".

Auch dieses Format läuft nun schon seit Jahren. Auch hier das gleiche Prinzip. Zuerst wird gesiebt, später bleiben die (vermeintlich) besten übrig und am Ende entscheidet der Zuschauer per Telefon oder SMS, wer denn nun gewinnt. Bei "Deutschland sucht den Superstar" ist das eine recht einfache Sache, da immer nur eine Person übrig bleibt. Die ständig ändernden Mottos bei "Popstars" allerdings machen die Sache anspruchsvoller. Mal wird eine Band gesucht, mal zwei Bands, mal ein Duett, mal ein Trio, mal ein Quintett, und so weiter. Der Zuschauer verlangt angeblich immer nach Neuerungen. Lassen wir das mal so stehen.

2009 markiert einen vorläufigen Höhepunkt der nachlassenden Qualität in Sachen Casting-Shows. "Deutschland sucht den Superstar" kürt einen blass wirkenden Milchbubi zum Sieger. Schon nach der ersten Single scheint für Daniel Schuhmacher der Erfolg erledigt. Dieses Schicksal teilt er jedoch mit anderen Ex-Gewinnern wie Tobias Regner oder Elli Erl. Vorbei die Zeiten, wo man bei "Deutschland sucht den Superstar" auch noch die Zweit- und Drittplatzierten vermarkten konnte. 2009 reichte es nicht einmal für den Sieger. Ähnlich die Miesere bei "Popstars". Hier muss man das Gewinner-Duo Vanessa und Leo allerdings ein bisschen in Schutz nehmen. Die verkorkste und zuschauerfeindliche Verhaltensweise des Senders ProSieben beim Halbfinale sorgte für einen schlechten Start. Die peinliche Namenswahl "Some & Any" schraubte die Erfolgschancen noch weiter in den Keller.

Sehr unwahrscheinlich, dass man außer einer Nummer-1-Single noch viel von den 2009er-"Popstars" hören wird. Daniel Schuhmacher versucht sich dieser Tage mit einem kläglichen Comeback-Versuch. Imagewechsel und neuer Sound. Eigentlich kann man mit diesen Menschen Mitleid haben. Die Jagd nach Ruhm und Ehre in der Musikbranche ist ein knallhartes Pflaster, auf dem wahrlich nicht jeder zurechtkommt. Generell stellt sich jedoch die Frage: wird das Casting-Material in Deutschland grundsätzlich verheizt?

Gut möglich, denn bei einem Blick auf unsere Nachbarn in England offenbart sich Großartiges. Hier schafft es ein Handyverkäufer in der ganzen Welt mit seinem Gesang ganz nach oben in die Charts. Paul Potts hat bewiesen, dass sich Qualität durchsetzt. Und Susan Boyle? Die britische Hausfrau hat die Casting-Show "Britain's Got Talent" nicht gewonnen. Sie landete auf dem zweiten Platz. Ihre CD allerdings hat sogar die Charts in den USA geknackt und sich dort an der Spitze etabliert. Die deutsche Version dieses Casting-Formats heißt "Das Supertalent". Unser Gegenstück zu Paul Potts ist Michael Hirte. Noch Fragen?

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