
Udo Lindenberg schätzt ihn, Gunther Gabriel hat schon vor einiger Zeit auf seine Fähigkeiten als Texter vertraut. Nun hat der Wahlhamburger Jan Sievers den Schritt in die musikalische Selbstständigkeit gewagt und hat hierfür seine Festeinstellung als Werbetexter an den Nagel gehängt. Seine erste Single "Die Suche", welche gerade erschienen ist und bei Viva hoch und runter gespielt wird, ist die aktuelle Werbemusik von einem Datingportal. Sein Debütalbum "Abgeliebt" wird am 21.05.2010 veröffentlicht. POOLTRAX hat sich mit dem 32-jährigen Sänger getroffen und über das neue Album, die Zukunft und über seine Erfahrungen mit den Fans gesprochen.
POOLTRAX: Jan, in Deutschland beginnt gerade der Frühling. Passend zu den Frühlingsgefühlen lieferst du mit "Die Suche" die neue Werbemusik eines Datingportals. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen und wie stehst du persönlich zu solchen Plattformen?
Jan Sievers: Ich habe "Die Suche" nicht für ein Datingportal geschrieben, das vorweg. Mir ist wichtig, das zu sagen. Trotzdem bin ich froh, dass mein Song dort aufgegriffen wird und diese Zusammenarbeit besteht. Wenn ich dazu beitragen kann, dass es ein paar unglückliche Singles weniger in Deutschland gibt, dann finde ich das eine sehr schöne Kooperation.
POOLTRAX: Wie lange hast du an dem Song gearbeitet?
Jan Sievers: Lange. Geschrieben war er in relativ kurzer Zeit – unter einer Stunde - aber bis zur finalen Aufnahme hat es rund 2,5 Jahre Zeit gebraucht.
POOLTRAX: Du hast einen der begehrten Major-Plattenverträge bei Warner Music ergattert. Diese Labels haben oft den Ruf, dass sie die Newcomer unterdrücken und schnell in ihre Schranken weisen. Wie ist das bei dir? Ist dein Album "Abgeliebt" zu 100% deine Musik?
Jan Sievers: Ich habe vor sechs Jahren meine Festeinstellung als Werbetexter aufgegeben, um Musik zu machen, wie ich sie mir vorstelle. Ich bin erst dann an die Plattenfirmen gegangen, als ich mein Päckchen geschnürt hatte und mir ganz sicher war, wie ich mir alles vorstelle. Angefangen von den Songs, dem Sound bis zu den Fotos. Das war dann eher so, dass die Plattenfirmen das so gekauft haben oder nicht - verbiegen lassen wollte ich mich da nie. Alles was man sieht und hört ist echt und authentisch.
POOLTRAX: Was erhoffst du dir für die nächsten Wochen?
Jan Sievers: Mein Ziel war es, irgendwann ein komplett selbstgeschriebenes Album in der Hand halten. Das wird am 21. Mai der Fall sein. Dann ist ein ganz großes Ziel erfüllt. Darüber freu ich mich riesig. Alles was dann noch dazu kommt, sei es eine Chartplatzierung oder die Tatsache, dass ich im Radio und bei VIVA gespielt werde, ist ein toller Zusatz – und darüber freu ich mich natürlich besonders.
POOLTRAX: Wie ist der Albumtitel "Abgeliebt" entstanden? Welche Bedeutung hat dieser Titel?
Jan Sievers: Da gibt es verschiedene Hintergründe. Zum Einen ist es so, dass das Album unter Anderem von Beziehungen handelt, nicht zwingend von Liebesbeziehungen, vielmehr allerlei Beziehungen zwischenmenschlicher Natur. In die Beziehungen ist viel Liebe hinein geflossen, das ist jetzt aber eine abgeschlossene Geschichte. Das ist eine Seite von "Abgeliebt". Zum Anderen habe ich viel Liebe in die einzelne Stücke gesteckt. Sehr, sehr viel Liebe zum Detail innerhalb der letzen sechs Jahre. Alleine "Die Suche" hat über 2 Jahre bis zur Plattenreife gebraucht. Das Ganze kann man in etwa vergleichen mit einem alten Lieblings-Teddy, den man sehr lange hatte und der sehr viel Liebe abbekommen hat. Das sieht man diesem Teddy an. Dieser Teddy ist auf eine persönliche Art und Weise "abgeliebt" und das sind die Stücke auf dem Album auch - in einem positiven Sinne. Dann gibt es noch eine dritte Ebene. Wenn man versucht ein Gefühl zu beschreiben, kommt man selbst als gelernter Texter manchmal an einen Punkt, an dem man es nicht schafft, dieses Gefühl mit den Vokabeln in seinem Kopf zu beschreiben. Wenn das der Fall ist, muss man manchmal ein Wort erfinden, um genau das auszudrücken, was man empfindet. Das passiert nicht allzu oft, aber bei "Abgeliebt" war es der Fall.
POOLTRAX: Du bindest öfter deine Fans ein. Was denkst du, wie wichtig sind die Fans heutzutage in dieser besonders schweren Zeit für die Künstler?
Jan Sievers: Sehr wichtig! Das mag jetzt vielleicht abgedroschen klingen – genau so ist es aber. Wenn ich nicht bei Myspace gewesen wäre und dort schon einige Klicks und viel positive Resonanz bekommen hätte, weiß ich nicht, ob ich dieses Interview jetzt führen würde. Das Internet als Plattform ist schon sehr hilfreich. Für Künstler und für Fans.
POOLTRAX: Wie siehst du andere Künstler - bist du da besonders kritisch? Was hörst du selbst gerne für Musik? Geht das in eine ähnliche Richtung wie die Musik die du machst, oder gibt es da ein bisschen Abwechslung?
Jan Sievers: Da gibt es sehr viel Abwechslung. Ich habe keine festen Vorbilder denen ich nacheifer. Dafür aber viele Künstler und Gruppen, von denen ich mit Sicherheit noch das ein oder andere lernen kann. Ich höre privat sehr unterschiedliche Musik. Das fängt an bei Herbert Grönemeyer, geht über "U2", "Radiohead", "The Black Crowes", "Massive Attack" bis hin zu Stevie Wonder. Die haben alle ihren Einfluss gehabt. Jeder auf seine eigene Weise.
POOLTRAX: Momentan in aller Munde ist auch Lena Meyer-Landrut als "Unser Star für Oslo". Was hältst du von ihr und welche Chancen denkst du haben wir mit ihr?
Jan Sievers: Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mit Lena nicht auf den letzten Plätzen landen werden. Und ich finde alles, was eine Verbesserungen zu den letzten Jahren darstellt, ist ein Erfolg. Wenn Lena die Chance hat, ein bisschen was von ihrer Persönlichkeit zu zeigen, was sie ganz sicher tun wird, dann wird sie bestimmt einige Herzen erobern können.
POOLTRAX: Wir wünschen dir viel Erfolg für dein am 21.05.2010 erscheinendes Album "Abgeliebt" und danken dir für das Interview.
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