
Was assoziiert man mit dem Begriff Festival? Ganz klar: Camping, Gummistiefel und natürlich Ravioli aus der Dose. Das so nicht jedes Festival ablaufen muss, zeigte am Wochenende das Reeperbahn Festival in Hamburg. Das größte Clubfestival der Republik hatte zum fünften Mal die Musikbegeisterten angelockt und wollte dieses Jahr ganz ohne Headliner auskommen. Dass sich die Besucher davon nicht abhalten ließen, zeigen die Besucherzahlen.
Rund 17.000 Besucher kamen um die rund 190 Bands beim Reeperbahn Festival zu bestaunen. Dass man sich dabei nicht alle ansehen konnte, wirft wieder den gewohnten Festivalcharme auf, denn auch bei bekannten Festivals wie Rock am Ring u.ä. muss man sich vorher gut überlegen wo man wann hin will. Die Top-Locations waren im diesen Jahr wieder das "Docks", die "Große Freiheit 36" sowie das "Grünspan". Doch es waren die kleinen Venues, die oftmals mehr als nur gut besucht waren und den großen Acts ihre Zuschauer geraubt haben.
Auch wenn es beim diesjährigen Reeperbahn Festival keinen wirklichen Headliner gab, dann war bei einigen Künstlern bereits vor der Tür zu sehen, wie beliebt die einzelnen Künstler waren. Hier ließ sich auch mal wieder erkennen, dass nicht jede Location die unbedingt Richtige war. Überraschend war das doch eher leere "Docks" am Samstagabend bei Marit Larsen. Hier hatten sicher alle mit mehr Andrang gerechnet, weshalb sich bereits 30 Minuten vor Showbeginn auch schon viele Zuhörer in der Location versammelt hatten. Überraschender Weise kamen dort aber nicht mehr viele hinzu.
Viel beliebter waren die Bands in kleinen Locations wie das "Molotow" oder dem "Angie's Nightclub". Dort hatte man besonders am Freitag und Samstag durchaus Probleme am Einlass, da die Läden nicht selten einfach nur überfüllt waren. Hier ließ sich erkennen, dass die Veranstalter das ein oder andere mal vielleicht doch die falschen Locations ausgesucht haben. Trotz dieser Probleme war das Reeperbahn Festival aber mal wieder etwas für alle, die neue Bands auf den Schirm bekommen wollten. Was hingegen sehr vermisst wurde, war die Hamburger Szene, welche sich erschreckender Weise so gut wie gar nicht zeigen konnte.
Als Ausnahme muss man hier das Duo Boy aus Hamburg erwähnen, die am Samstag im "Angie's Nightclub" mehr als nur bezaubernd waren und auch den ein oder anderen Musiker privat angelockt hatten. Dort traf man dann auch einen Teil von FOTOS, die zwei Stunden vorher in der "Großen Freiheit 36" begeistern konnten. Geboten bekam man dort eine gigantische Liveshow vor einer erstaunlich gut besuchten "Großen Freiheit", wenn man bedenkt, dass es sich bei FOTOS noch immer um eine eher unbekannte Band handelt. Der zusätzliche Drummer brachte der Band eine unschlagbare Power und einen Sound den andere Acts, die schon in der "Großen Freiheit 36" gespielt haben, gerne gehabt hätten. Gut, dass der Laden nicht noch voller war, sonst hätte das Publikum nicht ansatzweise so frei tanzen können. Definitiv ein Highlight beim diesjährigen Reeperbahn Festival.
Neben all den negativen Aspekten wie den falsch gewählten Locations oder dem
zeitweilig wirklich langen Kontrollen an den Türen, kann man sagen, dass das Reeperbahn Festival mehr als nur gelungen ist. Auch ohne Headliner war es wieder voll geworden auf dem Hamburger Kiez. Und jeder Kiezgänger war an diesem Wochenende froh mal andere Menschen als Junggesellenabschiede oder betrunkene Vorstadt-Jugendliche zu sehen. Was nun bleibt sind die Erinnerungen im Kopf und ein kleines blaues Band, welches man drei Tage lang am Handgelenk getragen hat und einem Eintritt zu allen Shows gewährt hat. Wir freuen uns schon jetzt auf das kommende Jahr.
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