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2010

Revolverheld Interview: "Backstage lernt man niemanden richtig kennen"

Revolverheld Interview:
Revolverheld Interview
"Backstage lernt man niemanden richtig kennen"

In den vergangenen Jahren konnten die fünf Jungs von Revolverheld große Erfolge mit ihren ersten beiden Alben "Revolverheld" und "Chaostheorie" feiern. Mit ihrem dritten Album "In Farbe" und der dazugehörigen "Live und in Farbe"-Tour können die sympathischen Jungs an bisherige Erfolge anknüpfen. POOLTRAX hat sich am letzten Abend der Tour mit Sänger Johannes, den beiden Gitarristen Kris und Niels, dem Bassist Flo und dem Drummer Jakob in Hamburg getroffen und über volle Clubs, enttäuschende Treffen mit Idolen und den persönlichen Konzerthighlights des Jahres gesprochen.

POOLTRAX: Heute ist der letzte Tag vom ersten Tourblock. Wenn man sich die Bühnendeko ansieht merkt man, dass ihr inzwischen mehr Wert auf Details legt. Muss man für die nächsten Jahre großes erwarten? Wann kommt die phänomenale Pyroshow?

Jakob: (lacht) Da warten wir auch schon seit Jahren drauf.

Kris: Als deutsche Band ist das nicht so einfach, weil Rammstein immer alle Pyro-Sachen aufkauft, die es gibt. Und deswegen sind wir immer zu spät gekommen. Auch jetzt gehen die wieder auf Tour und nächstes Mal sind wir vielleicht schneller oder müssen gucken, was dann für uns übrig bleibt.

POOLTRAX: Auf der Tour sind einige Konzerte ausverkauft gewesen. Warum habt ihr auf kleinere Veranstaltungsorte gesetzt? Seid ihr wegen der langen Pause erstmal zurückhaltender oder mögt ihr die Intimität in kleinen Clubs lieber?

Johannes: Wir wollten jetzt lieber ne kleine, knackige Releasetour spielen, die voll ist und wo wir Spaß haben und wo wir uns nach drei Jahren wieder eingrooven können. Es war geil, dass alles voll war. In Köln war sogar die "Live Music Hall" mit 1400 Leuten ausverkauft und heute haben wir in Hamburg eine ausverkaufte Show in der "Großen Freiheit 36". Das war eine großartige Tour in kleinen Clubs, die schneller voll sind, bei denen halt auch der ein oder andere vor der Tür bleiben muss. Es ist besser als in großen Clubs, die nachher nur halb voll sind.

POOLTRAX: Auf der Tour solltet ihr eigentlich von einer Band suportet werden, die in Deutschland noch nicht so bekannt ist. Wie ist der Kontakt zu Stande gekommen?

Kris: "Boys Like Girls" heißt die Band und ist eine Ami-Band, die auch bei unserem Label Columbia ist. Die sind in Amerika sehr erfolgreich, das Album ist glaube ich auf Platz 8 gechartet und die Anfrage kam sogar von denen. Die hatten Bock in Deutschland zu spielen und meinten, dass das musikalisch ganz gut passt. Tat es auch tatsächlich. Leider kam jetzt die Aschewolke dazwischen und die Jungs kamen mit ihrem Flieger nicht rüber, was sehr schade ist. Auf der einen Seite für die Jungs, aber auch für uns. Wäre ganz gut gewesen, mit jemanden zu quatschen, der in einem großen Markt, wie dem Amerikanischen, Fuß fassen konnte. Andererseits hat uns das aber auch wieder die Möglichkeit gegeben befreundete Bands zu fragen. Bei uns ist das schon eine Art Tradition und das hat auch sehr viel Spaß gemacht - besonders Backstage nach den Shows.

POOLTRAX: Jakob, du hast am Anfang das Booking der Band gemacht. Wollten die anderen das nicht machen und du musstest das gezwungener Maßen machen oder hattest du damit schon Erfahrung?

Jakob: Ach, das hat eigentlich viel früher angefangen. Ich habe bei den Bands, bei denen ich früher gespielt habe, auch schon nebenbei das Booking gemacht. Das war natürlich nicht professionell, aber ich habe einen Sommer lang bestimmt jedes Festival angeschrieben. Das war damals noch etwas aufwändiger, weil MP3s nicht so verbreitet waren und ich gebrannte CDs per Post verschicken musste. Letztendlich haben wir dann bei 2 Festivals gespielt.

Flo: Immerhin!

Jakob: Richtig. Mir hat das einfach Spaß gemacht und ich glaube so ist das alles entstanden. Niels und Kris hatten schon damals Spaß am Aufnehmen und haben sich so ein kleines Gartenhausstudio gebaut und haben dort die Revolverheld Aufnahmen gemacht. So haben wir dann alle das gemacht, was wir am besten konnten.

POOLTRAX: Wo du gerade MP3s ansprichst. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter haben noch immer viel Zuwachs. Wie seht ihr diesen Trend? Glaubt ihr, dass Musiker es inzwischen leichter haben ihre Karriere zu starten und ein Netzwerk aufzubauen?

Johannes: Ich glaube es ist sehr praktisch und komfortabel, wenn man mit den Fans direkt kommunizieren kann. Wir nutzen sowohl Facebook, MySpace und auch Twitter und auch auf unserer Homepage kann man alles kommentieren oder uns Emails schreiben. Es kann so jeden Tag ein Austausch stattfinden. Ob das jetzt für die Karrieren so wahnsinnig hilft, weiß ich nicht. Man geht mittlerweile auch echt unter, weil jede Band inzwischen einen MySpace-Account hat.  Wenn man als neue Band Facebook und MySpace nicht hat, dann ist man eine echte Besonderheit. Aber wenn man die Anfangszeiten so bedenkt, dann gibt es einige Bands die das ganze sehr gut genutzt haben und die sind damit dann richtig groß geworden.

POOLTRAX: Der Opener vom neuen Album heißt "Ich werde nie erwachsen". Seht ihr das alle so, oder gibt es jemanden der sich reifer fühlt als die anderen?

Kris: Natürlich sehen wir das alle so. Der Song stammt ja aus unserer Feder und wir würden nichts auf die Platte nehmen, wenn einer sagt "Ne, ich fühl mich da aber anders". Dafür sind wir ja auch eine Band. Nein, es ist einfach eine gewisse Art von Lebenseinstellung. Wir wollen damit sagen, dass man sich auch eine kindliche Seite behalten soll und nicht alles im Leben ernst nehmen und vor allem Spaß im Leben haben soll.

POOLTRAX: Richtig, ihr schreibt eure Songs alle selbst. War es auch mal für euch eine Option eure Texte an andere Künstler zu verkaufen und diese nicht für Revolverheld zu nutzen?

Johannes: Der erste Gedanke ist natürlich, dass wir selbst unsere eigenen Geschichten erzählen wollen. Für das Album haben wir 50-60 Songs geschrieben, wenn davon jetzt was übrig bleibt und ein anderer Künstler sagt, dass er den Song geil findet, dann kann ich mir schon vorstellen, dass man ihm den gibt, wenn man ihn mag. Aber wir schreiben nicht bewusst für andere Künstler. Da sind wir uns auch noch selbst am nächsten und schreiben lieber für uns. Ich glaub ich hätte keinen Bock einen Song weg zu geben, wenn ich denke "Wow, das ist ein geiler Song geworden, den will ich gerne selber singen".

POOLTRAX: Das heißt, das gab es auch noch gar nicht, dass ihr Songs weggegeben habt? Gegebenenfalls unter der Hand unter verdecktem Namen?

Johannes: Möglicherweise ist schon mal ein Song auf einem anderen Album gewesen - unter verdecktem Namen.

POOLTRAX: wie geht ihr damit um, wenn ein neues Album von den Kritikern zerrissen wird? Beachtet ihr sowas, oder interessiert euch sowas gar nicht?

Niels: Doch, wir lesen uns das schon durch. Es ist halt immer die Frage, wie es geschrieben ist. Eine Kritik ist eigentlich immer gerne gesehen, auch eine negative Kritik. Aber wir wünschen uns natürlich, dass sich die Leute dann auch inhaltlich damit auseinander gesetzt haben. Wenn das der Fall ist und die Person sagt dann, dass es ihr nicht gefällt, dann ist das auch in Ordnung. Das nehmen wir dann auch an. Schlimm sind solche Kritiken, die sich inhaltlich gar nicht damit auseinander setzen, sondern sogar der Albumtitel falsch zitiert wurde. Das ließt man dann nicht so gerne. Nicht alle haben den gleichen Geschmack und dann ist es auch okay mal was negatives zu schreiben.

POOLTRAX: In den vergangen Jahren habt ihr in der Branche ja sicherlich auch mal den einen oder anderen getroffen, den ihr musikalisch gesehen verehrt. Gab es dann auch mal ernüchternde Erlebnisse und Begegnungen?

Kris: Wir haben viele getroffen. Scott Weiland haben wir bei Rock am Ring getroffen.

Flo: Das war leider sehr ernüchternd muss man sagen.

Johannes: Der saß da im Poncho rum und sah nicht so super cool aus. Sagen wir so: Er war gerade nicht ansprechbar. Wir haben aber trotzdem ein Foto gemacht. Besser war da schon die Begegnung mit Slash, oder Niels?

Niels: Ja, der war hingegen ziemlich fit. Den haben wir bei "Rock im Park" getroffen und der hat sich sogar noch angeschaut, was die anderen Bands machen. An dem Tag hab ich auch die Chance genutzt und meine Gitarre von ihm signieren lassen. Er war damals die ausschlaggebende Person, weshalb ich angefangen habe E-Gitarre zu spielen. Das war schon eine große Begegnung. Man muss aber sagen, dass man meistens eh nicht so nah ran kommt. Gerade bei großen Ami-Stars, die sind meistens sehr abgeschottet.

Kris: Man muss dazu auch sagen, dass man die Leute Backstage auch nicht wirklich kennenlernt, sondern das ist dann eher ein flüchtiges "Hallo" sagen. Aber es ist auf jeden Fall interessant mal zu sehen, wie die hinter der Bühne abgehen. Scott Weiland war definitiv nicht fit.

POOLTRAX: Geht ihr privat denn auch gerne auf Konzerte? Auf welches Konzert freut ihr euch schon jetzt, vielleicht Wochen vorher?

Johannes: Wir gehen total gerne und viel auf Konzerte. Ich freu mich mega auf Switchfoot. Und auch Jamie Cullum werde ich mir im Sommer ansehen. Außerdem freuen wir uns glaube ich alle tierisch auf die Stone Temple Pilots. Wir spielen dieses Jahr auf dem Hurricane Festival und da spielen die Jungs auch. Und wir werden es mit Sicherheit hinkriegen die zu sehen.

Kris: Ich freu mich auch schon auf Switchfoot.

POOLTRAX: Letzte Frage und ein Blick in die Zukunft. Ihr seid eine sehr beliebte Liveband. Wann gibt es von euch endlich eine Live-DVD? Ist da schon was geplant?

Kris: Wir drehen heute Abend hier in Hamburg für unsere erste Live-DVD.

Johannes: Ja, genau. Wir drehen heute Abend, weil wir auch selbst endlich Bock auf eine Live-DVD haben. Die wird vermutlich gegen Herbst herauskommen.

POOLTRAX: Vielen Dank für das Interview.

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