Bekenntisse eines Käsebrotes
''...wir versuchen, Bedeutung in unsere Musik zu legen.''
''...das Internet wird der Musikindustrie nutzen!''
''...immer mal wieder etwas, das flasht!''
''...nur bei Scooter klappt das noch!''
Sandi Thom im Interview
Interview von 2006
''...das Internet wird der Musikindustrie nutzen!''
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Senkrechtstarterin Sandi Thom ist aus der aktuellen Musikszene nicht mehr wegzudenken. Mit ihren revolutionären Keller-Konzerten, die via Internet übertragen wurden, sicherte sich Sandi eine große Fangemeinde und schaffte so den Sprung in das reale Musikgeschäft. Wie es dazu kam, was Sandi Thom umtreibt und was sie in Zukunft vorhat - das erfährst du im aktuellen Interview.
Frage: ''Smile, it confuses people'', so heißt Dein neues Album. Und hast du es ausprobiert? Waren die Leute wirklich verwirrt, wenn du sie angelächelt hast?
Sandi Thom: Ich hab’s mal in London auf der Straße ausprobiert. Ich wollte mal sehen, was passiert, wenn ich zehn Leute anlächele. Ich wollte wissen, wie die reagieren würden. Ein einziger hat zurückgelächelt. Und ich dachte mir, die müssen doch alle verrückt sein. Es war einfach so lustig, so viele Leute anzulächeln, die wahrscheinlich alle dachten: Ich hätte sie nicht mehr alle.
Frage: Wie bist du überhaupt auf diese Idee gekommen?
Sandi Thom: Keine Ahnung. So was Komisches fällt mir einfach irgendwie ein. Das ist einfach meine Fantasie.
Frage: deine Geschichte klingt ja schon fast ein bisschen wie ein Märchen, zumindest wenn man sie aus der Presse hört, kommt es so rüber, als ob du aus dem Nichts ins Internet gehüpft bist, und plötzlich warst du berühmt. Stimmt das überhaupt?
Sandi Thom: Ich habe vor 11 Jahren schon angefangen Konzerte zu spielen. Mit 14 war ich in einer Band, die ''The Residents'' hieß. Es war eine kleine schottische Lokalband aus meiner Umgebung. Wir haben Covers gespielt, und sind auf Hochzeiten und Geburtstagen aufgetreten, oder einfach am Wochenende in der Kneipe bei uns. Mit denen war ich drei Jahre zusammen, und hab die meiste Zeit Songs aus den 70ern gecovert: Beatles, Eagles, B.G's und Fleetwood Mac. Diese Erfahrung hat in mir den Wunsch wachwerden lassen, das Hobby zum Beruf zu machen, und daher bin ich nach Liverpool gezogen, und habe an der ''Lipa'' studiert. Das ist eine Schule für Musik und Tanz. Da hab ich drei Jahre studiert, und ganz viel über Songwriting und die Industrie allgemein gelernt. Während des Studiums hab ich meine eigene Band gegründet. Und das schöne daran ist, dass ich mit dieser Band nach sechs Jahren immer noch zusammen bin. Nach der Uni war mein Hauptziel, irgendwie einen Veröffentlichungsvertrag zu bekommen, denn ich hab mich hauptsächlich als Songwriterin gesehen. Also hab ich es gemacht wie alle Musiker in England. Ich bin nach London gezogen, und habe ganz viele Songs für ganz viele Leute geschrieben, und habe letztendlich auch den Vertrag bekommen. Und dann hab ich meinen Manager getroffen, und zusammen haben wir dann versucht, mich irgendwie zu promoten. Und das ging dann zwei Jahre lang so. Ich hab alles getan, um mich bekannt zu machen.
Frage: Böse Zungen behaupten, du hättest das alles lange geplant und hattest den fetten Plattenvertrag schon längst in der Tasche, als du das Webcasting gemacht hast, was sagst du dazu?
Sandi Thom: Das mit dem fetten Plattenvertrag ist quatsch. Ich hatte nie einen fetten Plattenvertrag, und meinen jetzigen hab ich auch erst seit März. Aber geplant war es natürlich schon ein bisschen. Es war offensichtliche Promotion. Das ist auch das einzige was du machen kannst. Und das ist doch auch nichts neues. Alles wird promotet. Jede CD wird promotet, für jede Platte wird geworben. Das macht man seit Jahrzehnten schon so. Das ist überhaupt nichts neues. Ich denke, dass es die Tatsache, dass ich einen unüblichen Weg für meine Promotion gewählt habe, hat diese Skepsis bei den Leuten hervorgerufen. Aber das ist normal. Wenn man etwas neues macht, oder versucht, eine Denkweise zu verändern, wird es immer Menschen geben, die skeptisch sind. Das passiert vor allem, wenn es um technischen Fortschritt geht.
Frage: Was sagst du denn überhaupt zu der Angst der Musikindustrie vor dem Internet?
Sandi Thom: Klar kann ich die Angst verstehen. Aber ich denke, im Endeffekt wird das Internet der Musikindustrie nutzen. Leute werden immer Vinyl kaufen, und sich Livegigs angucken wollen. Das wird sich nie ändern. Von daher wird es immer ein harmonisches Gleichgewicht geben. Es wird nie NUR übers Internet gehen. Manche Dinge sterben nie aus. Ich bin nämlich genauso. Ich geh auch raus und kauf mir eine Platte, weil ich sie unbedingt haben will.
Frage: Du bist angeblich mal in einem Bus durch England gefahren, und hast bei Fans im Wohnzimmer gespielt. Stimmt das?
Sandi Thom: Ich hab mal eine Tour in einem roten Bus gemacht mit dreizehn Leuten. Damals war ich 18. Der Bus war total im Eimer, und wir sind damit durch Großbritannien gefahren, und haben an ganz komischen Orten gespielt. Aber nicht in den Wohnzimmern. Da haben wir nur geschlafen.
Frage: War es deine Absicht, eine Art Konzeptalbum zu machen?
Sandi Thom: Das war überhaupt nicht meine Absicht. Wahrscheinlich war das einfach nur so eine Phase, in der ich war, als ich die Lieder geschrieben habe. Ich habe darüber nicht nachgedacht. Das war unbewusst. Jetzt wird mir das eigentlich erst klar, dass ich fast ein ganzes Album über dieses eine Thema gemacht habe. Aber ich werde sicher mit der Zeit vielleicht mal anfangen vielleicht über die Zukunft zu schreiben.
Frage: Stimmt es, dass die Amerikaner voll auf deine Musik stehen? Willst du jetzt die USA im Sturm erobern?
Sandi Thom: Ich war in den letzten vier oder fünf Monaten dreimal da. Amerika ist so ein großes und interessantes Land. Es gibt dort so viele unbekannte Orte, mit verschiedenen Musikszenen, Es ist eine Herausforderung für mich. Und es ist der Wunsch eines jeden Musikers Amerika zu erobern. Ich würde es gern so weit bringen, dass ich mich in alle vier Ecken reinschleichen kann, und dass immer Leute zu meinen Konzerten kommen. Aber das wird noch ein großes Stück harte Arbeit, weil es eben so ein riesiges Land ist.
Frage: Aber deine Musik ist doch schon sehr ansprechend für die USA, weil sie ja auch ein bisschen countrymäßig angehaucht ist...
Sandi Thom: ...ich denke, es gibt eine starke Verbindung zwischen Countrymusik und dem schottischen Folk. Das ist natürlich für mich als Schottin in Amerika sehr hilfreich. Besonders im Süden stehen die da alle auf Country. Aber was mir auffällt, ist das mein Publikum so unendlich gemischt ist. Allein vom Alter her. Manchmal sind fünfjährige Kinder auf meinen Gigs mit ihren Großeltern. Es scheint, als ob dass was ich mache großen Anklang findet. Aber dass soll Musik auch bewirken. Sie soll Kulturbarrieren und Sprachbarrieren brechen, und Generationskonflikte überwinden. Und ich bin froh, wenn ich das schaffe.
Frage: Kommst du auch nach Deutschland auf Tour?
Sandi Thom: Ich hoffe schon. Es kann sein, dass ich im Februar kommen kann. Es wäre wirklich schön hier mal live aufzutreten. Ich denke, die deutschen gucken sich gern Livekonzerte an. Hoffentlich im Februar nächsten Jahres.
Mit freundlicher Genehmigung von SonyBMG (Amy Zayed).
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